München - Vor dem geplanten Spitzentreffen der CSU zum Parteivorsitz um 10 Uhr rechnen Spitzenvertreter der Partei nicht mit einer schnellen Lösung. Nach wie vor beharren Parteivize Horst Seehofer und Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber auf ihrem Anspruch, die Nachfolge Stoibers als CSU-Chef anzutreten. Stoiber will seine Ämter Ende September niederlegen. Innenminister Günther Beckstein ist als sein Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten vorgesehen.

Huber rechnet nicht mit einer raschen Einigung. "Ich glaube, dass noch mehrere Gespräche notwendig sind, aber das ist kein Beinbruch", sagte er. "Ich glaube nicht, dass es in einem Gespräch möglich ist, all diese Dinge schon abzuschließen." Die Partei könne sich einen Prozess von einigen Wochen bis zur nächsten Vorstandssitzung am 12. Februar gewiss gönnen.

Huber: Meine Kandidatur ist "unverrückbar"

Eine Kandidatur mehrerer Bewerber sei der Normalfall in der Demokratie. "Es ist ein demokratischer Wettbewerb", sagte Huber. "Mir geht es darum, eine Mannschaft zu motivieren, die in der Lage ist, die CSU in die Jahre 2008 und 2009 mit den großen Wahlen zu führen." Sollte es erst auf dem Parteitag Ende September zur Abstimmung zwischen ihm und Seehofer kommen, müsse man Verletzungen und Lagerbildung bis dahin vermeiden, sagte Huber. Er forderte alle Politiker der CSU auf, der Versuchung von Personalspekulationen zu widerstehen und sich auf die Sacharbeit zu konzentrieren. Das könne nicht wie auf einem Basar ausgehandelt werden.

Huber betonte in der "Passauer Neuen Presse" noch einmal, seine Kandidatur für den CSU-Vorsitz sei "unverrückbar". Er sagte, "die Unterstützung aus dem ganzen Land ist so stark, dass etwas anderes gar nicht möglich ist". Bundesagrarminister Seehofer will notfalls in einer Kampfabstimmung auf dem CSU-Parteitag im Herbst gegen Huber antreten.

Stoiber als "fairer Schiedsrichter"

Stoiber war am Donnerstag Spekulationen entgegengetreten, dass er wegen der ungeklärten Nachfolgefrage über September hinaus Parteichef bleiben könnte. "Dafür stehe ich keinesfalls zur Verfügung", sagte er. Stoiber erwarte bei der Spitzenrunde "faire und gute Gespräche", hieß es. Der scheidende Regierungschef sehe seine Rolle dabei als "fairer Schiedsrichter und ehrlicher Makler".