Berlin - "Auschwitz ist der größte Friedhof der Menschheit", heißt es in der Annonce des Zentralrates, die in den großen deutschen Tageszeitungen erschien. Der Zentralrat verwies auf die Bedrohung, die vom iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad ausgehe. Dieser habe unter anderem "die systematische Entrechtung, Deportation und fabrikmäßige Vernichtung von Millionen europäischer Juden mehrfach geleugnet" und die Vernichtung des UN-Mitgliedstaates Israel gefordert.

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering (CDU), rief die Europäer zur ewigen Erinnerung an die Opfer des Holocaust auf: "Wir dürfen diese abscheuliche und ungeheuer schmerzliche Seite der Geschichte unseres Kontinents nie vergessen." Der neu gewählte Parlamentspräsident sagte: "Wir gedenken an diesem Tag der Millionen Opfer des Holocausts, des Mordes an sechs Millionen Juden sowie an Roma, Polen, Russen und Menschen anderer Nationalitäten, die in den von den Nationalsozialisten errichteten Konzentrations- und Vernichtungslagern im Zweiten Weltkrieg ermordet worden sind."

Kranzniederlegung am Mahnmal Putlitzbrücke

Mit einer Kranzniederlegung am Mahnmal Putlitzbrücke begannen in Berlin kurz nach Mitternacht die Veranstaltungen zum Holocaust-Gedenktag. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth mahnte: "Es liegt in unserer Verantwortung, gegen rechtsextreme, antisemitische und fremdenfeindliche Einstellungen zu kämpfen." Vom ehemaligen Bahnhof an der Putlitzbrücke waren während des Zweiten Weltkriegs Berliner Juden in die Vernichtungslager deportiert worden.

Der Direktor der Kulturinitiative Jewish Welcome Service Wien, Leon Zelman, mahnte die verstärkte Aufklärung der Jugend über die Verbrechen des Nationalsozialismus an. "Auschwitz war das Ende vom Holocaust, begonnen hat dieser auf der Straße. Es beginnt mit dem Hass. Wir müssen der Jugend sagen, wie es begonnen und geendet hat", sagte Zelman bei einer Gedenkfeier in Wien.

Es fehlt an instinktiver Ablehnung des Rechtsextremismus

Deutsche Landespolitiker forderten ein entschiedenes Vorgehen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Deshalb sei ständige Erinnerung und Aufklärung notwendig, sagte Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) an der Gedenkstätte Buchenwald in Thüringen. "Vielen fehlt heute die instinktive Ablehnung des rechtsextremen Gedankengutes, die eigentlich jede demokratische Gesellschaft vermitteln sollte", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider bei der zentralen Gedenkfeier des Landes in Malchow.