Berlin - Auch im Spiel eins nach Thomas Doll konnte der Hamburger Krisenclub den Absturz nicht stoppen, obwohl die Gäste nach einem Treffer von Alexander Laas (33. Minute) lange geführt hatten. Doch Hertha-Kapitän Arne Friedrich glich per Kopf aus (78.). Dann kam der erst vor drei Tagen aus Sao Paulo nach Berlin gekommene Mineiro und donnerte den Ball aus 30 Metern ins HSV-Tor (90.+2).

Damit wartet der Bundesliga-Dinosaurier, der als einziger Verein seit 1963 ununterbrochen dabei ist, bereits seit mehr als drei Monaten auf den erlösenden "Dreier" in der Meisterschaft. Mit weiterhin 15 Punkten und nur einem Saisonsieg wird für Stevens beim Tabellen-Schlusslicht das Unternehmen Klassenverbleib in den "kommenden 14 Endspielen" zur Schwerstaufgabe.

Die Gastgeber, die sich unbedingt für die desaströse 0:5-Pleite drei Tage zuvor in Hannover rehabilitieren wollten, behielten ihre makellose Heimbilanz (acht Siege und zwei Remis) und sind nun schon seit neun Monaten im eigenen Stadion unbezwungen. Top-Torjäger Marko Pantelic scheiterte noch mit einem Foulelfmeter an HSV-Keeper Frank Rost (9. Minute). Hertha holte sich den fünften Tabellenplatz zurück, der am Saisonende den Start im Uefa-Pokal garantiert.

Stevens: "Das erste von 15 Endspielen"

Nach einer hektischen Trainersuche nahm der 53-jährige Stevens, der sich am Vorabend direkt vom letzten Arbeitsplatz Kerkrade kommend seinem neuen Team vorgestellt hatte, auf der HSV-Bank Platz - und wurde von vielen der 47.354 Fans im Olympiastadion ausgepfiffen. Der Niederländer hatte von Juli 2002 bis Dezember 2003 in 48 Spielen die Hertha betreut. "Das Spiel war für mich natürlich etwas Besonderes, aber es war nur das erste von 15 Endspielen", sagte der in Berlin unbeliebte Stevens.

Die Hamburger, die nach seiner Rot-Sperre wieder mit Spielmacher Rafael van der Vaart antraten, stellten sich zunächst entschlossen vor, profitierten aber auch von den Schwächen der Herthaner. Nach Zerren von Nigel de Jong an Pantelic scheiterte Berlins bester Schütze mit einem Foulelfmeter am Neu-Hamburger Keeper Frank Rost (9.). Und nur eine Minute später schoss Pantelic den Ball frei aus zwölf Metern über den HSV-Kasten. In der umkämpften Partie setzten die Gäste danach die Akzente. Van der Vaart scheiterte mit einem Freistoß knapp (14.), Bastian Reinhardt legte das Leder Hertha-Schlussmann Christian Fiedler aus sechs Metern in die Arme (26.).

Bei der Hamburger Führung halfen die Berliner kräftig mit. Malik Fathi, der seinen Platz im Aufgebot der Nationalmannschaft schon verloren hat, vertändelte gegen Ivica Olic. Dessen Querpass verwertete Laas aus 16 Metern, wobei Fiedler den unplatzierten Schuss unter seinem Körper durchrutschen ließ. Für den 22-jährigen Laas, der von Stevens den Vorzug vor dem erst spät eingewechselten Argentinier Juan Pablo Sorin erhalten hatte, war es der erste Bundesliga-Treffer.