Berlin - "Wir bestehen darauf, dass Deutschland als Hochtechnologie-Standort von Airbus - insbesondere im Rumpfbau - bestehen bleibt. Sollte das nicht der Fall sein, müsste Deutschland seine Rüstungsaufträge bei der Airbus-Konzernmutter EADS überprüfen", sagte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) der "Bild am Sonntag". "Den jetzt geplanten Abbau von Arbeitsplätzen und Hochtechnologie in Deutschland lassen wir uns unter keinen Umständen gefallen", warnte er. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) plant laut "Spiegel" im Februar ein Treffen mit EADS-Chef Louis Gallois.

"Wir müssen schauen, dass beim Veränderungsprozess die deutschen Interessen gewahrt werden", bekräftigte Glos in der ZDF-Sendung "Berlin direkt. Er verwies auf die Beteiligung von DaimlerChrysler sowie auf Mittel aus dem deutschen Luftfahrt-Forschungsprogramm, die in den EADS-Konzern fließen. "Wir haben Risiken und Bürgschaften übenommen für die bisherigen Airbusprogramme", betonte Glos. "Und insofern gäbe es dieses Gemeinschaftsprojekt nicht."

Merkel will offenbar persönlich bei EADS intervenieren

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) forderte in der "Bild am Sonntag" eine Kapitalerhöhung bei Airbus. "Es dürfen jetzt nicht aus finanzieller Not heraus Entscheidungen getroffen werden, sondern wir müssen das fehlende Geld ins Unternehmen bringen. Das kann nur über eine Kapitalerhöhung aller Eigner gehen", sagte Wulff.

Laut "Spiegel" will sich Merkel bei Gallois persönlich für die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie einsetzen, noch bevor die Konzernführung von EADS am 20. Februar ihren Sanierungsplan bekanntgibt. Dabei wolle die Kanzlerin darauf dringen, dass die deutschen Standorte beim Stellenabbau nicht überproportional belastet und wichtige Kompetenzen nach Frankreich verlagert werden. Arbeitnehmervertreter fürchten, dass Gallois das Sparprogramm nutzen könnte, um Frankreich endgültig die Führungsrolle in dem europäischen Gemeinschaftsunternehmen zu sichern.

Arbeitnehmervertreter fürchten den Verlust von 10.000 Jobs

Eine Regierungssprecherin in Berlin wollte sich am Samstag nicht zu einem möglichen Treffen äußern. "Die Bundesregierung wird weiterhin intensiv alle Möglichkeiten nutzen, um gegenüber EADS die Interessen der Airbus-Standorte in Deutschland zu vertreten", sagte sie aber.