Wolfsburg - Der CDU-Politiker Wulff sperrt sich nach Angaben aus Regierungskreisen nicht weiter gegen eine weitere Amtszeit des Porsche-Miteigentümers. Damit gilt als sicher, dass Piëch auf der Hauptversammlung am 19. April in Hamburg für weitere fünf Jahre zum VW-Aufsichtsratschef gewählt wird - zwei Tage nach seinem 70. Geburtstag. VW-Hauptaktionär Porsche kann damit seinen Einfluss ausbauen und bekommt demnach künftig drei statt bisher zwei Mandate im VW- Aufsichtsrat. Piëch wird dabei als Vertreter des Stuttgarter Sportwagenbauers gezählt.

Für den gewieften Machttaktiker und früheren Vorstandschef läuft derzeit alles glatt bei VW. Den unliebsamen Konzernchef Bernd Pischetsrieder drängte er im Herbst 2006 in Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat aus dem Amt, gegen den Willen Wulffs. Nachfolger Pischetsrieders wurde der Piëch-Vertraute Martin Winterkorn.

Und die Macht Piëchs bei Volkswagen könnte noch steigen: Nach dem am Dienstag vorgestellten Gutachten des Generalanwalts beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) im Sinne der klagenden EU-Kommission sowie Porsches wird erwartet, dass der EuGH das VW-Gesetz im Sommer kippt. Analysten rechnen in diesem Fall damit, dass Porsche VW ein Übernahmeangebot macht. Aktuell hält Porsche 27,4 Prozent des VW- Anteils. Steigt dieser auf über 30 Prozent, müsste der Stuttgarter Sportwagenbauer ein Übernahmeangebot vorlegen. Das Land Niedersachsen hält derzeit 20,8 Prozent an VW.

Porsche größter VW-Aktionär

Waren das Land und Porsche beim Einstieg des Stuttgarter Autobauers im Herbst 2005 noch auf Augenhöhe, ist Porsche inzwischen mit Abstand größter VW-Aktionär. Dazu kommt die wiedererstarkte Allianz zwischen Piëch und Betriebsrat sowie IG Metall. So war es VW-Betriebsratchef Bernd Osterloh, der Anfang Januar auf der Automesse in Detroit (USA) den Stein ins Rollen brachte und offen für einen Verbleib Piëchs an der Aufsichtsratsspitze plädierte. Begründung: Piëch sei ein "ausgewiesener Autofachmann".

In Wolfsburg wird allerdings gemutmaßt, hinter der Treue zu Piëch steckten vor allem Zusagen an die Arbeitnehmervertreter. Aufhorchen ließ jüngst ein Interview Winterkorns: Einen weiteren Stellenabbau werde es nicht mehr geben, VW wolle zudem einen besonders sparsamen Kleinwagen auf den Markt bringen - alles alte Forderungen des Betriebsrats. Zuvor hatte Winterkorn bereits das unrentable VW-Werk Brüssel gerettet, das der einstige VW-Chefsanierer Wolfgang Bernhard am liebsten dicht gemacht hätte. Doch der in der Belegschaft heftig umstrittene Bernhard ist nicht mehr da, bei VW weht wieder ein anderer Wind - das Sagen hat vor allem Piëch, der sich dem Vernehmen nach wieder stärker bis ins Detail um neue Modelle kümmert.

Piëchs Doppelrolle