Kopenhagen - Die gewaltsamen Proteste gegen die Räumung eines Jugendzentrums sind in der Nacht zu Samstag fortgesetzt worden. Hunderte vorwiegend junge Demonstranten lieferten sich im Viertel Nörrebro erneut Straßenschlachten mit der Polizei. Diese setzte Tränengas ein und nahm rund hundert Demonstranten fest. Einer der Festgenommenen musste verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Stunden, nachdem die Beamten einen Protestmarsch vorzeitig aufgelöst hatten, kam es am frühen Morgen in dem angrenzenden Stadtteil Christianshavn zu Krawallen. Kurz zuvor hatte Polizeisprecher Flemmig Steen Munch noch versichert, die Situation sei wieder unter Kontrolle.

Für die zweite Nacht in Folge war Nörrebro Schauplatz stundenlanger Auseinandersetzungen zwischen den vorwiegend jungen Randalierern und der Polizei. Diese hatte bereits in Erwartung weiterer Ausschreitungen Verstärkung aus anderen Landesteilen angefordert. Ein Protestmarsch von rund tausend Demonstranten vom Zentrum bis Nörrebro verlief zunächst friedlich. Kurz vor dem Ziel begannen die ersten Demonstranten jedoch wie schon in der Nacht zuvor, Pflastersteine und Brandsätze zu werfen. Einige von ihnen streckten ihre nackten Hintern den anwesenden Fotografen entgegen. Als die Polizei einschritt, verschanzten sie sich in den anliegenden Straßen, errichteten Blockaden aus Mülleimern und Fahrrädern und steckten Autos in Brand. Ein Panzerfahrzeug der Polizei wurde von einer Brandbombe getroffen.

Stadt verkauft Jugendzentrum an christliche Sekte

Auslöser der Krawalle war die Räumung eines Jugendzentrums in Nörrebro, das der alternativen Szene rund 25 Jahre lang mit Genehmigung der Behörden als Anlaufstelle diente. Dann verkaufte die Stadt das Gebäude an eine christliche Sekte, diese erwirkte im vergangenen Sommer einen Räumungsbefehl; seitdem hielten die alten Nutzer das Gebäude besetzt. Ihre Proteste mündeten am Donnerstag in stundenlange Straßenschlachten mit der Polizei. Die Beamten nahmen 217 Menschen fest, unter ihnen auch neun Deutsche.

Die Anwohner verfolgten die Krawalle mit zunehmender Sorge. Er könne seinen ausgebrannten Saab nicht ansehen, sonst werde ihm schlecht, sagte Anrainer Michail Vesthardt. Dennoch brachte der Leiter einer Anwaltskanzlei Verständnis für die jugendlichen Demonstranten und ihre "Verzweiflung" auf. Schuld an den Krawallen trage die Stadt mit dem Verkauf des Zentrums. Sein Nachbar Jan schimpft auf die "Blödheit" des Bürgermeisters. Dennoch, so befand der Rentner, sei Gesetz nunmal Gesetz, daran müssten sich auch die Jugendlichen halten. (tso/AFP)

mehr Nachrichten »