Hamburg - "Das wirksamste Mittel, Beschäftigungshürden für Frauen abzubauen, ist ein möglichst umfassendes Angebot an Ganztags-Kinderbetreuung", sagte Verheugen der "Bild am Sonntag". Deutschland habe dabei "enormen Nachholbedarf". Der Vizepräsident der EU-Kommission forderte: "Wir müssen in Europa - und damit auch in Deutschland - die Erwerbsquote so rasch wie möglich auf 70 Prozent steigern. Sonst können wir unsere Sozialsysteme nicht mehr finanzieren", sagte er.

Unterdessen erhält Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) für ihre Pläne zum Ausbau der Krippenplätze weiter Schützenhilfe von der SPD. "Wer Frau von der Leyen deswegen kritisiert, sollte sich umschauen, was im europäischen Vergleich üblich ist", sagte der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende und Finanzminister von Sachsen-Anhalt, Jens Bullerjahn, der Zeitschrift "Super Illu". Im Übrigen sei "das wirklich ein Thema, bei dem der Westen etwas vom Osten lernen" könne, weil es dort noch eine flächendeckende und weitgehend bedarfsgerechte Kinderbetreuung gebe. "Ich sehe das gute Angebot für Familien im Osten als Wettbewerbsvorteil, den wir sichern und ausbauen sollten", betonte der SPD-Politiker.

Müntefering macht Druck

Bis Ende März, spätestens bis Ostern sollte innerhalb der Regierung geklärt sein, wie die Betreuungsangebote der unter Dreijährigen voranzubringen seien, sagte Müntefering am Samstagabend im ZDF-"heute journal". "Es geht nicht, dass sich ein Teil der Koalition bisher davor drückt", fügte er hinzu.

Müntefering widersprach Berichten, wonach das Klima in der Koalition durch das Thema Kinderbetreuung immer gereizter werde. "Das ist nicht so, aber wir müssen zu Entscheidungen kommen", sagte er. Mit der Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) sei man sich in der Sache einig, aber es müsse eben auch die Finanzierung geklärt sein.

(tso/ddp)

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