Kassel - Sie sollen in den Jahren 1999 bis 2001 insgesamt 167 Krebskranke dazu gebracht haben, das vermeintliche Wundermittel zu einem völlig überhöhten Preis zu kaufen. Die meisten der Kranken sind inzwischen tot. Tatsächlich handelte es sich bei dem Mittel um ein in Deutschland nicht zugelassenes Präparat, das in Russland bei Entzündungen und Magen-Darm-Erkrankungen eingesetzt wird und dessen Wirksamkeit gegen Krebs nicht erwiesen ist. Rund 8500 Euro bezahlte jeder Patient für das Präparat. Dessen Beschaffung kostete laut den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft 322 Euro. Die Behandlung erfolgte in einer Privatklinik in Bad Karlshafen.

Drahtzieher war nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft ein heute 63 Jahre alter Kaufmann, der zuletzt in Bayern lebte. Der einschlägig vorbestrafte Mann sitzt in Untersuchungshaft. Mitangeklagt sind ein 65-jähriger Arzt, der damals als Onkologe in der hessischen Klinik arbeitete, sowie ein 57-jähriger Journalist aus Luxemburg. Er soll durch Zeitungs- und Fernsehberichte dafür gesorgt haben, "Galavit" als vermeintlich wirksames Mittel gegen Krebs bekannt zu machen. Ein österreichischer Bankkaufmann (35) und ein luxemburgischer Kaufmann (45) sollen für die organisatorische Abwicklung zuständig gewesen sein.

Rund 400.000 Euro ergaunert

Die Patienten hatten insgesamt rund 1,3 Millionen Euro für das angebliche Krebsheilmittel bezahlt. Wie die Staatsanwältin ausführte, mussten sie außerdem zusammen weitere 170.000 Euro für die "Behandlung" in der Klinik entrichten. Darin enthalten waren auch Kosten für die Unterbringung ihrer Angehörigen. Diese hatten bei der Krankenpflege mitgeholfen. Nur in einem Teil der Fälle erstatteten die Krankenkassen später diese Kosten.

Die Angeklagten hätten die verzweifelte Lage der Krebskranken und ihrer Familien ausgenutzt, um sich zu bereichern, hielt die Staatsanwältin den Beschuldigten vor. In Werbebroschüren, im Internet und in persönlichen "Aufklärungsvorträgen" hätten sie den Eindruck erweckt, "Galavit" könne Krebs heilen. Den größten Teil des Gewinns, gut 400.000 Euro, soll der 63-jährige Kaufmann eingestrichen haben. Der Arzt soll zwar kein Geld erhalten, sich dafür aber durch den Betrug seine Anstellung in der Klinik und damit ein ansehnliches Einkommen gesichert haben.

Bei einer Verurteilung drohen den Angeklagten mehrjährige Haftstrafen, dem Arzt droht außerdem ein Berufsverbot. Während die Anwältin des Mediziners ankündigte, sie werde am Freitag eine Erklärung für ihren Mandanten abgeben, will sich der 63-jährige Hauptangeklagte erst zu einem späteren Zeitpunkt äußern.

(Von Gabriele Sümer, ddp)