Aachen/Wolfsburg - Klaus Augenthaler hat mit seinem bühnenreifen Auftritt das Interesse vor dem Abstiegsfinale Alemannia Aachen - VfL Wolfsburg an diesem Samstag auf seine Person gelenkt. "Das war reiner Selbstschutz. Ich wusste, welche Fragen mir bei dieser Pressekonferenz gestellt werden", erläuterte der VfL-Trainer die spektakuläre Aktion vor Medienvertretern. In knapp einer Minute, in denen er vier Fragen stellte und selbst beantwortete, redete sich der frühere Fußball-Nationalspieler zugleich den Frust von der Seele.

Augenthaler ist verärgert, dass ausgerechnet vor dem wichtigen Spiel in Aachen eine Trainerdiskussion in Wolfsburg in Gang gesetzt wurde. Sein Rauswurf gilt in der Auto-Stadt als beschlossene Sache, unabhängig von Ausgang der Partie, in der den Niedersachsen ein Remis zum Klassenverbleib reicht. Der Volkswagen-Konzern, Hauptsponsor und Mehrheitseigner des Fußball-Teams, ist offensichtlich mit der sportlichen Bilanz nicht zufrieden. Obwohl Augenthalers Vertrag erst im Januar bis 2009 verlängert wurde, wird in Teilen des Aufsichtsrates nach einer anderen Lösung gesucht.

Profis aus der Schusslinie

"Es war ein Gefühlsausbruch. Ich hatte das Gefühl, dass er sich Luft verschaffen wollte", sagte VfL-Manager Klaus Fuchs zu dem Augenthaler-Auftritt. Der Coach nahm damit - geplant oder nicht - zugleich die VfL-Profis aus der Schusslinie. Zuletzt zeigte das durch Marcelinho verstärkte Team bei drei Heimpleiten in Folge inklusive des Pokalspiels gegen Stuttgart Nerven. "Die Mannschaft ist gefestigt und wir haben alle Trümpfe in der Hand", verbreitete Fuchs dennoch Optimismus. "Wir werden dem Druck gewachsen sein und die richtige Antwort auf dem Platz geben", stimmte ihm Augenthaler zu.

Der Tabellen-16. Alemannia Aachen hinterließ bei sechs Niederlagen in Folge mit 19 Gegentoren eher den Eindruck, resigniert zu haben. Dennoch steht der Aufsichtsrat rückhaltlos zur Entscheidung von Trainer Michael Frontzeck, der Nationalspieler Jan Schlaudraff und Sascha Dum suspendiert hat. Trotz großer Personalprobleme gehören beide Profis nicht zum Kader. Wegen der schlechten Tordifferenz (-20) benötigt der Aufsteiger unbedingt einen Sieg gegen den drei Punkte besser gestellten VfL Wolfsburg (-6), um sich die Chance auf den Klassenverbleib am letzten Spieltag zu erhalten.

"Ich habe viele positive Dinge im Kopf. Wenn wir gewinnen, steht Wolfsburg am letzten Spieltag richtig unter Druck", sagte Frontzeck. Er hat aber im Abstiegs-Endspiel vor 21.000 Zuschauern auf dem Tivoli vor allem in der Defensive kaum noch Alternativen. Die Innenverteidiger Alexander Klitzpera und Nico Herzig sind gesperrt. Ihre Positionen sollen Thomas Stehle und Moses Sichone übernehmen.

(tso/dpa)