Hamburg - Im bayerischen Unterfranken wurden bei sturmbedingten Unfällen vier Menschen verletzt, berichtete die Polizei. Allein in der Region Nürnberg machten sieben umgefallene Bäume Straßen unpassierbar, ein Motorradfahrer wurde von einem umgestürzten Baum schwer verletzt. Eine Polizeisprecherin in Oberfranken sprach angesichts der Wucht der Windböen des Tiefs "Ewald 2" von einem "Mini-Kyrill" - in Erinnerung an den Orkan vom Januar.

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg führte der Sturm zu Stromausfällen. Nach Angaben des Energieunternehmens envia Mitteldeutsche Energie AG in Chemnitz waren zeitweise 15.000 Kunden ohne Strom. Am Freitagabend hob der Deutsche Wetterdienst in Offenbach die Unwetterwarnungen auch im Osten Deutschlands weitgehend auf. Nur in den Hochlagen von Harz und Erzgebirge bestand danach noch die Gefahr orkanartiger Böen.

S-Bahn gegen Baum gefahren

Auch in Teilen Nordrhein-Westfalens hatte der Sturm im Tagesverlauf für Chaos gesorgt. Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia fegten Böen von bis zu 90 Kilometer in der Stunde übers Land, entwurzelten Bäume, wirbelten Äste durch die Luft und verschreckten Fluggäste. Feuerwehr und Polizei mussten zu hunderten Einsätzen ausrücken. Schwerpunkte waren das Rheinland, das Ruhrgebiet und das Sieger- und Sauerland. Dort wurde ein Fußgänger von umher fliegenden Ästen leicht verletzt. Turbulent ging es beim Anflug auf den Flughafen Köln-Bonn zu. Hier wurden einige Maschinen tüchtig durchgerüttelt. "Ich bin ja Vielflieger, aber diesmal war ich erstmals versucht, die Tüte zu nehmen", sagte ein Reisender.

Im rheinland-pfälzischen Burgbrohl-Weiler ließ der Sturm einen Maibaum zu Boden krachen. In Hessen mussten wegen umgestürzter Bäume zwei Autobahnabschnitte und einige Landstraßen für jeweils wenige Stunden gesperrt werden. So war in Nordhessen die A 49 und in Osthessen die A 66 betroffen. Zwischen Mannheim und Frankfurt fuhr eine S-Bahn gegen einen Baum, der vermutlich wegen starker Windböen auf die Gleise gefallen war, teilte die Bundespolizei mit. Reisende wurden nicht verletzt.

Zahlreiche Bahnverspätungen in und um Berlin

Nach Angaben einer Bahnsprecherin kam der Bahnverkehr in Sachsen-Anhalt auf der Strecke Wittenberg-Berlin für rund eine Stunde zum Erliegen, weil Äste auf die Gleise und in Oberleitungen fielen. Zwischen Magdeburg und Berlin kam es ebenfalls zu Verspätungen. In Thüringen musste die A 4 bei Eisenach wegen eines umgestürzten Lastwagen-Anhängers für zwei Stunden gesperrt werden. Menschen wurden nicht verletzt. Am Morgen war auf der Reichentalbrücke der A 71 ein leerer Anhänger umgeweht worden. In Berlin musste die Feuerwehr 30 Mal ausrücken, um entwurzelte Bäume aus dem Weg zu räumen.