Berlin - Die Gespräche über einen Bundeswehreinsatz im Inneren sollen fortgesetzt werden, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg nach einem Spitzentreffen der großen Koalition unter Leitung von Kanzleramtschef Thomas de Maizière. Laut Steg nahmen an dem Fachgespräch neben Schäuble und de Maizière auch Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Justizministerin Brigitte Zypries (beide SPD) sowie die Vorsitzenden der Koalitionsfraktionen, Volker Kauder (CDU) und Peter Struck (SPD), teil.

Schäuble will einen neuen Versuch starten, das Grundgesetz zu ändern, um eine Ausweitung der Einsatzmöglichkeiten der Bundeswehr im Innern rechtlich zu ermöglichen und abzusichern. Er will dabei die Streitkräfte für die Abwehr von Terrorangriffen aus der Luft und von See heranziehen.

Schönbohm unterstützt Schäuble

Unterstützung erhielt Schäuble von seinem brandenburgischen Amtskollegen Jörg Schönbohm (CDU). "Die Bundeswehr hat Fähigkeiten, die die Polizei nicht hat", betonte er. Der Staat brauche wirksame Mittel, um sich gegen neue Bedrohungen zu wehren. "Das Grundgesetz ist im Kalten Krieg von Angriffen durch Staaten ausgegangen. Was nicht vorgesehen war, sind Angriffe von nichtstaatlichen Gruppierungen", gab Schönbohm zu bedenken. Bei Angriffen aus der Luft oder aus dem Wasser hätte die Polizei gar keine Möglichkeiten zur Reaktion.

Kritik kam von der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Die Bundeswehr sei ausgelastet und könne nicht einmal ihre Kasernen schützen, sagte GdP-Chef Konrad Freiberg und fügte hinzu: "Es besteht weiterhin eine Trennung von innerer und äußerer Sicherheit. Daran sollten wir nicht rütteln."

FDP-Sicherheitsexpertin: Keine Bundeswehr als Hilfspolizei

Auch die FDP-Sicherheitsexpertin Birgit Homburger kann dem Truppeneinsatz im Innern nichts abgewinnen. Die Sicherheit in Deutschland könne auch mit den heute zur Verfügung stehenden Mitteln gut bewältigt werden, sagte Homburger und verwies auf Großereignisse wie den Papstbesuch oder die Fußball-Weltmeisterschaft. Deutschland brauche die Bundeswehr nicht als Hilfspolizei.