Zürich - Wo Franz Beckenbauer in Zürich auch auftaucht, sind alle Kameras auf ihn gerichtet. Nur am Donnerstag steht der "Kaiser" ausgerechnet bei seinem Einzug in die Fifa-Exekutive auf einmal in der zweiten Reihe. Denn die Bühne ist bereitet für Joseph Blatter. Beim 57. Kongress des Fußball-Weltverbandes will sich dessen Präsident bis ins Jahr 2011 im Amt bestätigen lassen - und selten war der Ausgang einer Wahl schon vorher so gewiss. Neun Jahre nach seiner skandalumwitterten Übernahme des wichtigsten Postens der Fußball-Welt sitzt der Schweizer fester denn je im Präsidentenstuhl und kann erstmals mit einer Wahl per Akklamation rechnen.

In seiner offiziellen Eröffnungsrede am Nachmittag hob Blatter die Verantwortung des Fußballs hervor. Angesichts von weltweit 260 Millionen Fußball spielenden Menschen müsse man sich besonders den sozialen Herausforderungen stellen. "Wir müssen diese Verantwortung annehmen. Wir wollen voranschreiten, aber wir wollen gemeinsam voranschreiten, in Einigkeit", sagte Blatter, der zudem die WM 2006 in Deutschland erneut in den höchsten Tönen lobte.

Blatter: Empfinde Genugtuung

"Ich empfinde es als Auszeichnung und verspüre Genugtuung. Es ist für mich ein Zeichen der Einheit der Fußball-Familie", sagte Blatter zu seiner Rolle als einziger Kandidat bei der Präsidentenwahl im Zürcher Hallenstadion. Mit ausgeprägtem Machtinstinkt und starken Führungsqualitäten hat sich der 71-Jährige eine intern unumstrittene Position verschafft. Der von nie restlos geklärten Bestechungsvorwürfen begleitete Wahlkampf 1998 gegen Lennart Johansson und der offen ausgetragene Machtkampf gegen Teile der Exekutive und Fifa-Verwaltung vor der ersten Wiederwahl im Jahr 2002 haben Blatter offenbar gestählt.

Nun bastelt der sich gerne als bescheidener und generöser Mensch gebende Walliser an seinem Lebensdenkmal und schließt sogar eine weitere Kandidatur in vier Jahren nicht mehr aus. Hinter den Kulissen halten sich derweil hartnäckig Spekulationen, dass Blatter schon bald nach der Wahl personelle Veränderungen in seiner Verwaltung vornehmen wird. Generalsekretär Urs Linsi, unter dem die Fifa-Finanzen in den vergangenen fünf Jahren konsolidiert wurden (Eigenkapital etwa 450 Millionen Euro), soll nicht mehr das Vertrauen Blatters genießen. In Mediendirektor Markus Siegler stünde ein eloquenter Nachfolger parat.

McBeth verzichtet auf Blatters Druck

Vor dem wie ein Blatter-Festival anmutenden Kongress soll aber Ruhe herrschen. Affären wie die Ausbootung des designierten Fifa-Vizepräsidenten John McBeth halten Blatter nicht auf, sind aber Zeichen des resoluten Umgangs mit Kritik - gerade aus den eigenen Reihen. Der Schotte McBeth hatte am Wochenende in Zeitungen seiner Heimat Blatter als "trickreichen Typen" und den in dubiose Ticket-Geschäfte vor der WM 2006 verwickelten Fifa-Vizechef Jack Warner als "nicht über jeden Zweifel erhaben" bezeichnet.