Den Haag - Paukenschlag in der umstrittenen niederländischen TV-Organspendershow: Die Show hat sich bei der Ausstrahlung am Freitagabend als Inszenierung mit einer Schauspielerin als angeblich todkranker Nierenspenderin entpuppt. Die drei tatsächlich nierenkranken Kandidaten hätten gewusst, dass es nur ein Spiel war, sagte Moderator Patrick Lodier. Mit der im Vorfeld heiß diskutierten Show sollten die Menschen auf die Problematik fehlender Spenderorgane aufmerksam gemacht werden. Zur Zeit warteten in den Niederlanden 1400 Menschen auf eine Spenderniere.

"Wir wollten das Problem in den Fokus rücken. Das hat funktioniert", sagte Lodier. Die "Big Donor Show" des öffentlich-rechtlichen Fernsehkanals BNN war als Wettbewerb um die Niere der 37-jährigen todkranken Lisa angekündigt worden. Drei Kandidaten sollten in der Show um die Sympathien der angeblich an einem Hirntumor erkrankten Frau werben. Die Zuschauer gaben während der Live-Sendung per SMS ihre Stimmen für ihren Favoriten ab. In der nüchternen Atmosphäre eines kleinen Studios wurden ab und zu die Zwischenstände verkündet.

Aufklärung in letzter Minute

Erst kurz bevor die angeblich todkranke Frau ihre Entscheidung mitteilen sollte, lüftete Lodiers das Geheimnis. Er forderte die Holländer auf, die Fragestunde im niederländischen Parlament zu nutzen und die Politiker zu fragen, was sie an der Organ- Spendesituation in Holland verändern wollten. Während der Sendung konnten Zuschauer anrufen und ein Formular anfordern, das sie als zukünftigen Spender ausweist.

Die drei tatsächlich kranken Kandidaten spielten bis zum Schluss überzeugend mit und gaben sich bei der "Enttarnung" sehr erleichtert. Ihre in kurzen Filmen dargestellte Lebensgeschichten, in denen sie ihre Einschränkungen im Leben beschrieben, ihre Wünsche und Hoffnungen, seien echt gewesen, sagten sie zum Schluss. Auch engste Angehörige und Freunde kamen zu Wort.

Kandidaten waren die 36-jährige Esther-Claire, der 19 Jahre alte Vincent und die 29-jährige Charlotte. Den Darstellungen in der Sendung zufolge sind sie seit ihrer Kindheit beziehungsweise Jugend nierenkrank. Demnach haben sie alle bereits Transplantationen hinter sich, die jedoch nicht erfolgreich waren.

"Spendermangel noch geschmackloser"