Bio-Produkte: China setzt auf Öko-Anbau

Bioprodukte in Deutschlands Supermärkten könnten in Zukunft vermehrt auch aus China kommen. Doch "bio" ist nicht gleich "bio", befürchten Kritiker.

Schanghai - In Schanghai feierte in dieser Woche der chinesische Ableger der Nürnberger Biofach-Messe, weltgrößte Fachmesse für Bioprodukte, Premiere. Denn China will groß in das Geschäft mit dem Öko-Anbau einsteigen. Auf einem Biobauernhof in dem Schanghaier Außenbezirk Fengxian führt Bauer Li Haoren im blauen Kittel durchs Gemüsebeet. Seit 1999 wird auf dem Hof biologisch gepflanzt, seit 2001 mit staatlicher Zertifizierung. 20 Sorten werden angebaut, vor allem Tomaten, "die verkaufen sich gut", sagt Li. Sein Bruder Wang Ming ist Chef der Farm. Die beiden gehören zu den ersten, die sich als Biobauern in China präsentieren. Sie selbst würden das knackig-gesunde Gemüse nie kaufen: "Zu teuer."

Chinas wohlhabendere Verbraucher fragen zwar vermehrt Nahrungsmittel aus biologischem Anbau nach. Sie wurden aber zuletzt durch eine Reihe von Lebensmittelskandalen erschreckt. Noch macht in China das Biogemüse nur einen Bruchteil der Lebensmittel aus. Guo Chunmin vom China Organic Food Certification Center (COFCC) schätzt, dass nur rund 0,2 Prozent der Agrarprodukte in China "bio" sind. "Der Markt steckt noch in den Kinderschuhen", ließ die Nürnberger Messe verlauten, nicht ohne auf das "enorme Potenzial" hinzuweisen.

Die Volksrepublik hat große Pläne und dabei vor allem den Export im Sinn. In den kommenden acht bis zehn Jahren solle nach Regierungsvorgaben der Anteil der Bioprodukte auf zwei Prozent steigen, sagt Guo Chunmin vom COFCC. Das Segment sei für chinesische Agrar-Unternehmen derzeit sehr attraktiv: "Momentan kann das Angebot auf dem weltweiten Markt die Nachfrage nicht decken", sagt Guo. Bereits 350 Millionen US-Dollar Exportumsatz habe die Branche 2005 in China einfahren können, berichtet die Nürnberger Messe.

Zertifikate von 430 Institutionen

In Europa wachsen die Bedenken. "Made in China" steht hierzulande für minderwertige Billigware. "Wichtig ist natürlich, ob in gleicher Weise die Standards eingehalten werden", sagt Thomas Dosch, Präsident von Bioland. Denn im Fälscherparadies wird sogar Biogemüse nachgemacht. In China gibt es allein 430 Institutionen, die Zertifikate für Bioprodukte erteilen dürften, ergänzt Guo. Viele arbeiteten mit gänzlich unterschiedlichen Standards. Peking sei deshalb gerade dabei, die Anforderungen für Bio-Produkte zu vereinheitlichen.

Der Bio-Anbau werde streng kontrolliert, beruhigt Bauer Li. Monatlich komme ein Behördenvertreter und prüfe, ob der Hof die Regeln einhalte: Ob die Biobauern den Mindestabstand zum konventionellen Anbau einhielten und die Werte für Boden-, Wasser-, Luftqualität stimmten. Jährlich muss das Zertifikat erneuert werden. Paprika, Gurken und Tomaten sehen tatsächlich knackig aus, als Arbeiter sie in Kartons verpacken. Sie werden in Schanghais Supermärkten angeboten.

Zweifel am "Bio"-Anspruch

Bei den Exporten spiele China noch "eine marginale Rolle", sagt Dosch. Bislang fänden vor allem Hülsenfrüchte den Weg ins deutsche Bio-Regal, weil sie gut gelagert werden können. Auf die Sicherheits- Bedenken reagiert der Bioland-Präsident gelassen: "Ich gehe davon aus, dass die Produkte in Ordnung sein müssen, sonst wären sie nicht hier." Prinzipiell müsse alles den EU-Verordnungen entsprechen. Den Experten beschäftigt vielmehr die Frage, ob der "Bio"-Anspruch überhaupt noch gegeben ist, wenn die Ware unter hohem Energieaufwand einmal um die halbe Welt geschickt wird. (tso/dpa)

mehr Nachrichten »

 
  • Quelle dpa
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Artikel-Tools präsentiert von:

      • Anzeige
      Service