G-8-Krawalle: Fast 1000 Verletzte in Rostock
Bei den schweren Krawallen am Rande der Anti-G-8-Proteste am Samstag in Rostock hat es rund 1000 Verletzte gegeben. Autonome und Polizisten hatten sich eine Straßenschlacht geliefert.
Rostock - Bei den Auseinandersetzungen mit gewalttätigen Autonomen wurden den Polizeiangaben zufolge 433 Einsatzkräfte verletzt, 30 davon schwer. Auf Seiten der Demonstranten seien mindestens 520 Personen verletzt worden, darunter 20 schwer, sagte Manfred Stenner von der Demonstrationsleitung.
Am Rande des Protestzuges hatten sich Demonstranten aus dem so genannten schwarzen Block der autonomen Szene eine Straßenschlacht mit der Polizei geliefert. Einsatzkräfte waren unter anderem mit Molotow-Cocktails, Fahnenstangen, Flaschen und Steinen attackiert worden Die Beamten benutzten Schlagstöcke und Reizgas. Außerdem wurden Wasserwerfer und Räumfahrzeuge eingesetzt.
Im Zusammenhang mit den Ausschreitungen wurden nach Angaben der Rostocker Staatsanwaltschaft 128 Personen in Gewahrsam genommen. Der Anwaltliche Notdienst nannte hingegen die Zahl von mindestens 165 Festnahmen. Gegen zehn mutmaßliche Randalierer sei Haftbefehl beantragt worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Gegen sie bestehe dringender Tatverdacht wegen schweren Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung, hieß es.
Die anderen Festgenommenen seien nach der Feststellung der Personalien wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden. Gegen diese bestehe überwiegend nur ein Anfangsverdacht der einfachen Körperverletzung, der Sachbeschädigung, des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Die Veranstalter der Großdemonstration gegen den G8-Gipfel räumten im Zusammenhang mit den Ausschreitungen inzwischen Versäumnisse ein.
In einer Bilanz der Ereignisse sprach die Polizei von "brutaler Gewalt durch mehrere Tausend militante Autonome". Der Chef der Sonderpolizeibehörde Kavala, Knut Abramowski, zeigte sich "tief erschüttert", zumal die Polizeiführung anfangs deutlich auf Deeskalation gesetzt habe. Außerdem äußerte Abramowski Unverständnis darüber, dass trotz der offensichtlichen massiven Angriffe durch Gewalttäter Sprecher der Veranstalter bei der Abschlusskundgebung am Samstagabend der Polizei Gewalt provozierendes Verhalten vorgeworfen hatten.
"Jagdszenen auf Polizisten"
Ein Polizeisprecher sagte zur Eskalation der Lage am Samstagnachmittag, es habe "geradezu Jagdszenen auf Polizisten gegeben", die mit Steinen und anderen Gegenständen beworfen worden seien. Teilweise sei auch mit Latten und Stangen auf seine Kollegen eingeschlagen worden. Beim Angriff auf ein mit Beamten besetztes Fahrzeug waren dessen Scheiben zerschlagen und die Insassen in erheblichem Maße verletzt worden. Dem Fahrer gelang es jedoch, davon zu fahren.
Das globalisierungskritische Netzwerk Attac verurteilte die Gewalt seitens der Demonstranten, machte aber auch der Polizei Vorwürfe. Attac erklärte, Anlass für die Eskalation nach Ende der Demonstration sei der Angriff einer kleinen Gruppe von Demonstranten auf einen am Kundgebungsplatz geparkten Polizeiwagen gewesen. Dabei seien offenbar zwei Polizisten verletzt worden. Danach sei die Situation eskaliert. "Das wiederholte Nachsetzen einiger Protestteilnehmer auf die sich zeitweise zurückziehende Polizei war vollkommen verantwortungslos", sagte Werner Rätz vom Attac-Koodinierungskreis. An der Verschärfung der Situation sei aber auch die Polizei beteiligt gewesen, betonte Attac. Polizisten hätten unverhältnismäßig reagiert und gezielt friedliche Teilnehmer der Kundgebung angegriffen. Die Lage sei nach intensiven Kontakten zwischen Demonstrationsleitung und Polizei beruhigt worden. (tso/ddp)
- Datum 03.06.2007 - 04:17 Uhr
- Quelle dpa
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:
