CSU: Seehofer verplappert sich erneut
Horst Seehofer bringt sich im Tauziehen um den CSU-Vorsitz immer weiter in die Bredouille. Nun soll der Agrarminister behauptet haben, Edmund Stoiber habe für ihn Partei ergriffen. Stoibers Dementi ließ nicht lange auf sich warten.
München - Im Zweikampf um den CSU-Vorsitz gerät Parteivize Horst Seehofer zunehmend in die Kritik. Der scheidende Parteichef Edmund Stoiber erteilte dem Landwirtschaftsminister eine öffentliche Abfuhr, nachdem Seehofer sich laut einem Bericht der "Bunten" in einem Interview selbst zum Stoiber-Favoriten erklärt hatte. Stoiber ließ über einen CSU-Sprecher erklären, er werde sich von keiner Seite vereinnahmen lassen. Seehofer wies die Darstellung der Illustrierten nach der Vorab-Veröffentlichung des Interviews zurück. Die "Bunte" erklärte, sie bleibe bei ihrer Fassung.
"Meine Kampfeslust ist uneingeschränkt und auch Edmund Stoiber hat sich, entgegen anderer Aussagen, klar für mich erklärt", zitierte die "Bunte" den CSU-Vize. Wenige Stunden später sagte Seehofer der dpa: "Das habe ich so nie gesagt."» Er habe "immer darauf verwiesen und akzeptiert, dass Edmund Stoiber bis zum Parteitag als neutraler Schiedsrichter fungiert", fügte der Minister hinzu. "Bunte"-Vize-Chefredakteur Sebastian Graf von Bassewitz sagte dagegen: "Wir stehen Wort für Wort dazu und nehmen nichts zurück."
Stoiber: Schätze beide Kandidaten
Stoiber betonte im Zweikampf zwischen Seehofer und Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber erneut seine Neutralität. "Der CSU-Chef schätzt beide Kandidaten", sagte der Parteisprecher. "Er erwartet jetzt vielmehr bis zum Parteitag einen Wettbewerb um die besten Inhalte und Konzepte, damit die Mehrheitsfähigkeit der CSU erhalten bleibt." Seehofer hatte schon vergangene Woche mit Äußerungen im Magazin "Stern", er besitze Informationen über das Privatleben von Parteikollegen, einen Sturm der Entrüstung in der CSU ausgelöst. "Ich weiß viel. Ich habe viel Material", hatte Seehofer dem Magazin gesagt.
In der CSU-Landtagsfraktion wurde erneut sehr scharfe Kritik an Seehofer laut. Der Vorsitzende des Hochschulausschusses, Ludwig Spaenle, warf dem Bundesminister nach dessen Enthüllungsandeutungen Realitätsverlust vor. "Wir werden uns gegen solche Methoden mit aller Macht zur Wehr setzen", sagte Spaenle. "Ich kenne niemanden in der CSU, der sich so eine unverhohlene Drohung bieten lässt. Das Entsetzen über diese Entwicklung des hoch geschätzten Herrn Seehofer, das macht fast sprachlos", so Spaenle.
Glos: Seehofer ist ein "Ehrenmann"
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos signalisierte dagegen vorsichtige Unterstützung für den CSU-Vize. Er halte Seehofer "für einen Ehrenmann", sagte Glos im Nachrichtensender N24. Der Verbraucherschutzminister sei für ihn nach wie vor dafür geeignet, CSU-Vorsitzender zu werden. Er glaube bis zum Beweis des Gegenteils nicht, dass Seehofer mit Drohungen arbeiten wolle. Falls der "Stern"-Bericht korrekt sei, sei das aber "nicht richtig".
Seehofer bestritt weiterhin, dass er die Äußerungen als Drohung gemeint habe. "Weder habe ich Drohungen ausgesprochen, noch Informationen gesammelt", sagte er dem "Münchner Merkur". Die Passage im "Stern" habe "eine Bedeutung erlangt, die ich niemals für möglich gehalten habe". Trotz mehrfacher Klarstellungen habe es jedoch immer neue Vorwürfe gegen ihn gegeben. Seehofer forderte zudem ein Ende der Debatte.
In den letzten Monaten und Tagen sei er immer wieder "das Ziel von Schmähungen und Falschaussagen" geworden, ohne dass er sich öffentlich darüber beschwert habe, sagte Seehofer. "Jede Äußerung wird abgeklopft, um zu prüfen, ob man sie gegen mich in Stellung bringen kann." (tso/dpa)
- Datum 04.06.2007 - 08:43 Uhr
- Quelle dpa
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