Nigeria hat den weltgrößten Pharmakonzern Pfizer wegen eines Arzneimitteltests an Kindern verklagt. Bei Tests des Antibiotikums Trovan Floxacin seien 1996 rund 200 Kinder schwer geschädigt oder getötet worden, erklärte das nigerianische Justizministerium. Das US-Unternehmen müsse deshalb sieben Milliarden Dollar (rund 5,2 Milliarden Euro) Schadenersatz zahlen. Die ersten Anhörungen sollen am 26. Juni stattfinden. Pfizer wies die Anschuldigungen zurück.

Pfizer habe für die Studie im nördlichen Bundesstaat Kano nicht die erforderliche Genehmigung der nigerianischen Behörden eingeholt, heißt es in der Klage, die die Regierung beim Obersten Gerichtshof des Landes einlegte. Unter dem Deckmantel einer humanitären Hilfsaktion sollten die Kinder das Antibiotikum Trovan Floxacin gegen Meningitis und Masern bekommen haben. Die Kinder seien wie "Versuchskaninchen" behandelt worden. Trovan ist seit Februar 1998 auf dem Weltmarkt. Durch die missbräuchliche Einnahme von Trovan starben auch in den USA mehrere Menschen oder erlitten schwere Leberschäden. Die US-Gesundheitsbehörde FDA beschränkte daraufhin die Verwendung von Trovan.

Vertragliche Zustimmung der Eltern?

Bereits Mitte Mai hatte die Regierung von Kano Strafantrag gegen Pfizer gestellt und 2,75 Milliarden Dollar Schadenersatz gefordert. Elf Kinder starben laut der Anklageschrift nach der Verabreichung des Medikaments. Familien der Opfer versuchten vor einigen Jahren zu klagen, scheiterten aber am Prozedere.

Pfizer bestritt die Anschuldigungen und erklärte, es habe sich ethisch verhalten. Die Eltern der Kinder seien informiert worden und hätten der Verabreichung des Medikaments in einem Vertrag zustimmen müssen. Sie seien in Englisch und der örtlichen Sprache Haussa aufgeklärt worden. 1996 sei das Medikament in der letzten Phase seiner Entwicklung gewesen, teilte Pfizer weiter mit. Bereits 5000 Patienten hätten es damals getestet. (mit AFP)

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