Die erfolgreichste Buchserie aller Zeiten findet ihren Abschluss. In der kommenden Nacht erscheint der siebte und letzte Harry-Potter-Roman von Joanne K. Rowling in der englischen Orginalfassung. Allein der Amazon-Versand meldete bis Donnerstag weltweit rund 2,2 Millionen Vorbestellungen für „Harry Potter and the Deathly Hallows“, und in London warteten sogar schon die ersten Fans vor einer Buchhandlung am Picadilly Circus. Denn alle begeisterten Leser wollen wissen, ob der Zauberschüler Harry den finalen Kampf gegen seinen bösen Gegenspieler Lord Voldemort überlebt. Auch um Harrys Freunde bangen die Fans, schließlich hatte Rowling den Tod zweier Hauptfiguren angekündigt.Allerdings drohte die Spannung in den vorigen Tagen verloren zu gehen: Wie berichtet, wurde über das Internet die angebliche Originalversion des Buches verbreitet; ein Unbekannter hatte alle Seiten abfotografiert. Und damit nicht genug. Der „New York Times“ gelang es nach eigenen Angaben, das Buch am Mittwoch in einem Geschäft in Manhattan zu kaufen. Die Zeitung veröffentlichte eine Rezension und lobte den „epischen Showdown“. Das Schicksal der Hauptpersonen erscheine „überzeugend“ und „unausweichlich“. Obwohl Details der Handlung nicht in der Rezension stehen, zeigte sich Joanne K. Rowling „entsetzt“ über diese und andere Veröffentlichungen in US-Zeitungen – zumal manche Medien das Ende des Romans andeuteten. Dies verderbe „Millionen Lesern, besonders den Kindern“, den Spaß. Die Gründerin des größten deutschen Harry-Potter-Fanclubs, Saskia Preissner, blieb gelassen. „Wir freuen uns immer noch auf unsere Party, wo wir das Buch um 1 Uhr 1 in die Hände bekommen.“ Sie bezweifelt, dass die Internet-Version echt ist.Inzwischen scheint klar, wie es trotz der angeblich 15 Millionen Euro teuren Geheimhaltungsmaßnahmen zu den Vorveröffentlichungen kommen konnte: In den Vereinigten Staaten lieferten ein Internetversand und eine Vertriebsfirma offenbar 1200 Exemplare fast eine Woche zu früh aus. Der US-Verlag Scholastic soll die Firmen nun verklagt haben – und appellierte an die Käufer, die Bücher bis Sonnabend „versteckt zu halten“.In Deutschland wurde die englische Buchfassung bisher mehr als 210 000 Mal beim Amazon-Versand bestellt. Der Preis beträgt dort 18,90 Euro, wie auch bei manchen anderen Internetversandhäusern. Dies liegt sechs Euro unter der Preisempfehlung des britischen Verlags Bloomsbury; die deutsche Buchpreisbindung gilt hier nicht. Die rasche Auslieferung ist vor allem für Amazon logistische Schwerarbeit, denn das Unternehmen hat allen Kunden versprochen, dass sie das Buch gleich am Sonnabend bekommen – ansonsten bekomme man den Roman geschenkt. Zahlreiche Boten der Post-Tochtergesellschaft DHL müssen deshalb Sonderschichten einlegen.In Israel hat der Verkaufsstart am Sabbat zum Streit zwischen strenggläubigen Juden und Potter-Fans geführt. Rabbis kritisierten, dass Buchhandlungen in der Nacht öffnen wollen. Juden dürfen keine Geschäfte am Sabbat machen. Händler argumentieren, sie seien vertraglich dazu verpflichtet, den Band zur selben Zeit wie Läden in anderen Ländern zu verkaufen.Schon die ersten sechs Bände der Reihe brachen alle Buchhandelsrekorde: Weltweit betrug die Gesamtauflage der in 65 Sprachen übersetzten Bücher mehr als 325 Millionen Exemplare, darunter 25,2 Millionen in Deutschland. Auch die bislang fünf Verfilmungen gehören zu den erfolgreichsten Kino-Blockbustern. Die deutsche Übersetzung des siebten Bandes erscheint am 27. Oktober, der Titel steht noch nicht fest. Der Hamburger Carlsen-Verlag erwartet, dass die Gesamtauflage mehr als drei Millionen Exemplare erreichen wird. Unterdessen haben Fans im Internet sogar schon damit begonnen, die illegalen Vorveröffentlichungen auf eigene Faust zu übersetzen.

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