Die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan haben mit der Ermordung von zwei am Mittwoch entführten Deutschen gedroht, wenn sich die Bundeswehr nicht aus dem Land zurückzieht. Weiter forderte ein Sprecher die Freilassung aller verhafteten Mitglieder der islamistischen Milizen."Die Taliban-Führung verlangt einen Abzug aller deutschen Truppen aus dem Land", sagte Taliban-Sprecher Jussif Ahmadi in einem Telefongespräch. "Wenn die Forderungen nicht erfüllt werden, töten wir die Deutschen." Laut Ahmadi sind die beiden Männer zusammen mit fünf afghanischen Begleitern in der Hand der Taliban. Sie befinden sich an einem "sicheren Ort".Die Taliban haben die Bundesregierung und die afghanische Führung zudem ultimativ aufgefordert, bis Samstag 12 Uhr afghanischer Zeit (09.30 Uhr MESZ) Kontakt mit ihnen aufzunehmen. Sollte bis dahin kein solcher Kontakt zustande kommen, werde "die Situation sehr schwierig", sagte Ahmadi.Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) erklärte inzwischen, die Bundeswehr dürfe sich "von derartigen terroristischen Aktivitäten" nicht vom richtigen Weg abbringen lassen. Es gehe darum, an einer friedlichen und stabilen Entwicklung in Afghanistan mitzuhelfen.Widersprüchliche AngabenNoch am Vormittag hatte ein anderer Taliban-Sprecher, Zabeeulah Mujahid, allerdings erklärt, die Deutschen seien nicht in der Hand der Islamisten. Auch das Auswärtige Amt sprach von widersprüchlichen Informationen.Die beiden Bundesbürger, die in der Provinz Ghasni verschleppt worden waren, sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes (AA) bei einem in Kabul ansässigen Unternehmen tätig. Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios handelt es sich bei ihnen um Bauingenieure, die Bau- und Entwicklungsprojekte im Auftrag der UN betreuten.Nach Angaben des AA bemüht sich ein Krisenstab intensiv um die Freilassung der Männer. "Alle notwendigen Schritte sind eingeleitet", sagte AA-Sprecher Martin Jäger. Die afghanischen Behörden suchen nach eigenen Angaben in Ghasni und in der Provinz Wardak nach den Verschleppten. Taliban hatten das Auto der beiden am Mittwoch im Kreis Jaghato in Ghasni gestoppt.22 Südkoreaner enführtTaliban-Sprecher bekannten sich ebenfalls zur Entführung von 22 Südkoreanern im Süden des Landes. Die Islamisten hatten den Bus mit der Reisegruppe bereits am Donnerstag in der Provinz Ghasni in ihre Gewalt gebracht. Die Südkoreaner waren demnach auf der Fahrt von Kandahar nach Kabul. Auch sie seien an einen "sicheren Ort" gebracht worden, so die Taliban.Nach Angaben des Außenministeriums in Seoul bestätigten Geheimdienstberichte die Entführung. Die Gruppe besteht aus Mitgliedern einer christlichen Kirchengemeinde, die als Freiwillige in Afghanistan Entwicklungsarbeit leisten wollten. Unter den Verschleppten sind demzufolge 13 Frauen. Über Forderungen an die südkoreanische Regierung ist bislang nichts bekannt. In Afghanistan sind derzeit etwa 150 südkoreanische Soldaten stationiert. (mit dpa)

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