Ein ehemaliger Chefingenieur von Vattenfall hat die Sicherheitskultur bei dem schwedischen Energieriesen für die jüngsten Probleme mit den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel verantwortlich gemacht. In der schwedischen Atomaufsicht seien meist ehemalige Mitarbeiter des Staatskonzerns für die Überwachung des AKW-Betriebs zuständig, sagte der Ingenieur Lars Olov Höglund im Deutschlandradio Kultur. "Im Prinzip kontrollieren also frühere Kollegen von Vattenfall, wie die Sicherheit hier in Schweden aufrecht erhalten wird." Diese Kultur sei mit nach Deutschland gebracht worden, als Vattenfall die AKW Brunsbüttel und Krümmel übernahm.
  
Höglund war früher Chefingenieur im schwedischen AKW Forsmark, in dem es 2006 einen Störfall gegeben hatte. Laut Höglund ist die seiner Meinung nach mangelnde Kompetenz des AKW-Personals auch darauf zurückzuführen, dass keine neuen Atomkraftwerke mehr errichtet werden. Das Wissen, wie ein neues Werk sicher gebaut werde, sei mittlerweile verschwunden: "Das ist eine Industrie, die im Prinzip nicht mehr lebt." Pannenserie bricht nicht abNachdem das AKW Brunsbüttel am Mittwoch wegen "Auffälligkeiten" in den Ölkreisläufen eines Transformators heruntergefahren worden war, hatte man gestern erneut einen Fehler gefunden. Bei einer angeordneten Überprüfung von Dübeln im Sicherheitssystem wurden zu große Bohrungen in Dübelplatten festgestellt. Mit ihnen sind Rohrleitungen befestigt. Bis zum Abschluss der Überprüfung und Instandsetzung soll der Meiler vom Netz getrennt bleiben.Der Deutschlandchef des Vattenfall-Konzerns, Klaus Rauscher, war nach der Serie von Pannen bereits vor einigen Tagen zurückgetreten. Er verlässt das Unternehmen offenbar mit einem "goldenen Handschlag". Wie die "Berliner Zeitung" schreibt, erhält Rauscher nach seinem Ausscheiden von Vattenfall insgesamt noch rund 3,5 Millionen Euro. Die Summe ergibt sich, weil Rauschers Vertrag als Vorstandschef vor anderthalb Jahren um fünf weitere Jahre verlängert worden war. Sein Jahressalär belaufe sich auf rund eine Million Euro. (mit AFP/dpa)

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