Die Kunstmetropole Berlin erweist einer der spannendsten Kunstszenen der Welt ihre Reverenz und lädt von diesem Donnerstag an zum Multimedia-Marathon "New York an der Spree" in das wiedereröffnete Haus der Kulturen der Welt ein. Es ist gleichzeitig die Feier zum 50. Geburtstag der "Schwangeren Auster" an der Spree, der einstigen Berliner Kongresshalle. Bereits heute Abend steht der Eröffnungsfestakt mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) auf dem Programm.Ein Motto des mehrmonatigen Veranstaltungsspektakels mit Ausstellungen, Filmen, Musik, Lesungen und Performances begrüßt die Besucher schon auf den Treppen mit einem Zitat des französisch-schweizerischen Architekten Le Corbusier, einem Väter der Moderne: "Hundert Mal habe ich gedacht, New York ist eine Katastrophe, und fünfzig Mal: es ist eine wunderbare Katastrophe.""Laboratorium Berlin"Viele Maler, Schriftsteller, Musiker und Filmemacher der Gegenwart denken seit dem Mauerfall von 1989 ähnlich über das "Laboratorium Berlin", wie der anhaltenden Zustrom von Künstlern aus aller Welt in die Szeneviertel der wiedervereinigten deutschen Hauptstadt zeigt. Auch wenn New York nicht Amerika und Berlin nicht Deutschland ist, wie der Berliner Ausstellungskurator Shaheen Merali betont, lassen sich doch an der globalen und "nomadischen" Metropole New York politische, künstlerische und urbane Entwicklungen erkennen, die nun auch in Berlin auf der Tagesordnung stehen. Sie erzeugen jene Spannung des Neuen und des Umbruchs, die Künstler seit jeher magisch angezogen und kreativ inspiriert hat.Eigentlich ist die frühere Kongresshalle in unmittelbarer Nachbarschaft des Kanzleramtes nach dem Mauerfall als Haus der Kulturen der Welt einer neuen Bestimmung übergeben worden. Sie soll vor allem den Kulturen der sogenannten Dritten Welt ein Podium in Deutschland bieten. Aber der Intendant des vom Bund übernommenen Hauses am Spreeufer, Bernd M. Scherer, erinnert in diesen Tagen mit dem Grußwort "Happy Birthday, Schwangere Auster!" auch bewusst an den 50. Geburtstag der Kongresshalle. Sie war im September 1957 als Geschenk der Regierung der Vereinigten Staaten eröffnet worden. Das von dem Architekten Hugh Stubbins entworfene Gebäude steht für Scherer auch als "Symbol einer die USA und Deutschland verbindenden transatlantischen Moderne".Unheimliche MaschinenDie Ausstellungen und anderen Veranstaltungen verweisen laut Scherer nicht nur auf den Glanz und die Schattenseiten des Molochs New York mit seinen Chancen und Risiken, sondern auch auf den "Bruch in der Psychologie New Yorks nach dem 11. September 2001" wie auch auf "die hegemoniale Politik der USA und die Widersprüche mit Europa". John Kessler baut unheimliche Maschinen aus Überwachungskameras und Bildern der amerikanischen Geschichte. Hans Haacke thematisiert das irakische Gefängnis Abu Ghraib mit einer Collage seiner bekannten Arbeit "Star Gazing", in den öffentlichen Raum des New Yorker Times Square versetzt. Zu den anderen Künstlern der Ausstellung gehören unter anderem Iona Rozeal Brown, Gordon Matta-Clark, Kehinde Wiley, Carolee Schneemann und Fred Wilson.

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