Im Saarbrücker Prozess um Kindesmissbrauch und Mord an dem fünfjährigen Pascal haben die Verteidiger den Freispruch von fünf wegen Mordes Angeklagten gefordert. Es gebe keinerlei Beweise für die Schuld ihrer Mandanten, sagten die Anwälte in ihren Plädoyers am Montag vor dem Landgericht Saarbrücken. Sie wiesen unter anderem darauf hin, dass bislang weder Pascals Leiche noch DNS-Spuren gefunden wurden. Die Staatsanwaltschaft hatte am vergangenen Donnerstag lebenslange Freiheitsstrafen für die fünf Personen gefordert. "Die gesamte Anklage beruht auf den Fantasien eines Kindes", sagte Walter Teusch, einer der Anwälte, in seinem rund eineinhalbstündigen Plädoyer. Gemeint ist die Aussage des Spielkameraden, der heute in einer Pflegefamilie lebt. Dieses Kind, ein Sohn der wegen Mordes angeklagten Andrea M., habe die Geschichten zum angeblichen Kindesmissbrauch in der "Tosa-Klause" erfunden, um in der Gunst seiner Pflegemutter zu steigen. Auch die Geständnisse mehrerer Angeklagten während der Ermittlungen seien "keinen Pfifferling wert", da sie unter "seelischer und psychischer Folter" entstanden seien.

"Frau mit großem Herz" Seine Mandantin, die Kneipenwirtin Christa W., beschrieb Teusch als Frau "mit einem großen Herz". Sie habe die Mitangeklagte Andrea M. nicht bei sich aufgenommen, "um an die paar Kröten von der Sozialhilfe zu kommen, sondern aus Mitleid." Es gebe keinerlei Beweise, dass der Sohn von Andrea M. misshandelt oder missbraucht wurde, sagte der Anwalt.Der Pascal-Prozess dauert bereits knapp drei Jahre. Weil das Gericht Zweifel an der Mordanklage hatte, waren die Haftbefehle gegen alle Angeklagten bereits im Juni 2006 aufgehoben worden. Die Urteile werden für den 7. September erwartet. (mit dpa)

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