Dem Erbe der Denker des Bauhauses begegnen Kulturtouristen in Dessau auf Schritt und Tritt. Die Stadt, im Krieg schwer zerstört, hat einige Zeugnisse experimentellen Bauens aus den 20er Jahren aufzuweisen. Das Bauhaus, gerade mit hohem Aufwand saniert und in seiner ursprünglichen Farbgestaltung wieder hergestellt, wird dem Status als Teil des Weltkulturerbes der Unesco gerecht. Die Meisterhäuser, nach der Wende originalgetreu restauriert, passen ins Stadtbild. Allerdings fehlen zwei der sieben Gebäude. Bomben machten 1945 die Direktorenvilla von Walter Gropius und die Doppelhaushälfte von László Moholy-Nagy dem Erdboden gleich. Das Ensemble soll nun bis 2010 neu gestaltet werden.Ein Architektenwettbewerb soll entscheiden, wie eine dauerhafte Lösung für die Rekonstruktion der beiden Häuser aussehen könnte. Dessaus Kulturamtsleiter Gerhard Lambrecht, der auch Geschäftsführer der Stiftung Meisterhäuser ist, kündigte die Ausschreibung des Wettbewerbes für September an. Insgesamt sollen rund drei Millionen Euro in das Vorhaben fließen. Es ist Teil des Dessauer Beitrags zur Internationalen Bauausstellung IBA 2010.Ein mehr als zehnjähriger StreitDie Stiftung Meisterhäuser habe sich zu dem Wettbewerb entschlossen, um dem Status als Teil des Welterbes gerecht zu werden, erklärt Lambrecht. Über das künftige Aussehen der beiden fehlenden Meisterhäuser wird seit mehr als zehn Jahren gestritten. Die Meinungen gehen auseinander, heftige Debatten flammten immer wieder auf. Auf dem Keller der Gropiusvilla war kurz nach dem Krieg ein Einfamilienhaus entstanden. Vom Abriss des Hauses über eine originale Rekonstruktion bis zur modernen Neugestaltung reichen die Ideen. Für die spätere Nutzung gibt es Vorstellungen für ein kleines Café, einen Laden. Es soll der Eingang zum Areal der Meisterhäuser sein.Bei der Doppelhaushälfte von Moholy-Nagy wird es einfacher sein, eine architektonische Lösung zu finden. Die Fläche wurde nie überbaut. Nachdem die Wohnstätten der Bauhäusler zu DDR-Zeiten kaum eine Rolle spielten, als Wohnungen und Klinik dienten, besinnt sich Dessau auf die Bedeutung des gesamten Areals. Bei den erhaltenen fünf Häusern war die Sanierung nicht strittig. Lambrecht nennt es einen "Glücksfall", dass sie stets genutzt wurden. Materialmangel verhinderte dort, dass ursprüngliche Türklinken und andere Ausstattungsteile verschwanden. Der Geschäftsführer der Meisterhäuserstiftung möchte, dass der Wettbewerb mehr als nur eine Lösung für die beiden fehlenden Gebäude bringt.Neugestaltung des gesamten ArealsDas gesamte Areal brauche eine Neugestaltung einschließlich der angrenzenden und zurzeit eher trostlosen Ebertallee. Sichtachsen gehen von dort aus direkt ins Dessau-Wörlitzer-Gartenreich, ebenfalls Teil des Weltkulturerbes. Klassizismus und klassische Moderne treffen aufeinander. Noch einmal werden wohl mit den Wettbewerbsergebnissen die Wogen hoch schlagen, ist sich Lambrecht sicher. "In wenigen Monaten lassen sich heute Häuser errichten, aber wir werden wohl zuvor noch einmal zwei Jahre über deren endgültiges Aussehen streiten", lautet seine Prognose.

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