Die jüngste Entwicklung könne die Bemühungen, den deutschen Bauingenieur Rudolf B. aus der Geiselhaft freizubekommen, "erheblich erschweren", erklärte ein Geheimdienstexperte. Es liege nahe, dass die Entführer im Fall von Rudolf B. von der deutschen Regierung ebenfalls verlangen könnten, in direkte Gespräche mit den Taliban zu treten. Das wäre eine "verhängnisvolle Situation", weil sich Berlin auf einen solchen Deal nie einlassen könne.Auf der anderen Seite könnte es nach Darstellung des Geheimdienstlers eine "positive Lösung" geben, weil der Fall des Deutschen von Beobachtern in der afghanischen Hauptstadt Kabul im Zusammenhang mit den Südkoreanern gesehen werde. Vielleicht habe der Ingenieur, der am 18. Juli zusammen mit einem Kollegen gekidnappt worden war, jetzt eine "reelle Chance, freizukommen". Seinen Kollegen hatten die Taliban erschossen."Tor zur Rückkehr an die Macht "Ein Vertreter des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA beurteilte in Washington die Haltung der südkoreanischen Regierung als "verheerend". Dadurch sei den Taliban zum ersten Mal seit ihrem Sturz 2001 das "Tor zur Rückkehr an die Macht in Afghanistan geöffnet worden". Seoul habe die Taliban in eine "offizielle politische Gruppierung erhoben, die mit gewählten Regierungen gleichberechtigt verkehren kann". Darüber hinaus hätten es die Taliban geschafft, dass ein Land seine in Afghanistan stationierten Soldaten komplett abzieht. Das ist eine Kardinalforderung, die von den Taliban ständig für alle ISAF-Truppen propagiert wird. Seoul will nach der Vereinbarung seine rund 200 Soldaten bis Jahresende aus Afghanistan abziehen. Als "Ausgangspunkt" für die Erfolge, die sich die Taliban von den Entführungen versprechen, wird der im Frühjahr von der italienischen Regierung abgeschlossene "Kuhhandel" mit den Taliban im Fall des von ihnen entführten italienischen Journalisten Daniele Mastrogiacomo gesehen. Der Mann kam durch einen Deal auf höchster Regierungsebene zwischen Rom und Kabul im Austausch gegen fünf führende inhaftierte Taliban-Kämpfer frei. US-Präsident George W. Bush hatte diesen ersten Kniefall vor den Taliban "aufs Äußerste" verurteilt. Die Taliban hatten bei den Südkoreanern Ähnliches versucht. Sie gaben aber jetzt mit der Begründung auf, dass Seoul auf die afghanische Regierung "wohl nicht einwirken kann", um wieder Kämpfer der Taliban freizupressen.

Fragwürdige Rolle der Medien Einen weiteren großen Erfolg haben die Taliban nach dem Hinweis der Geheimdienste durch ihre öffentlichen Auftritte vor der Presse erzielt. Dies sei "ein beachtlicher Durchbruch mit weltweiter Beachtung für die Terroristen, die schließlich zwei Männer der südkoreanischen Gruppe kaltblütig ermordet haben", unterstrichen die Geheimdienste. "Das ist in keiner Weise zu rechtfertigen", wurde betont. Die Presse habe Äußerungen von Mördern über die ganze Welt verbreitet.Die Entwicklung, die durch die südkoreanische Regierung im Umgang mit den Taliban in Gang gekommen ist, "lässt Schlimmes für die Zukunft befürchten", war aus den Geheimdienstkreisen zu hören. Es werde in immer kürzeren Abständen Entführungen von Ausländern in Afghanistan geben. Besonders wurde auch auf die Gefahren durch Entführungen deutscher Soldaten hingewiesen. Das würde für die Bundesregierung zum "gefährlichsten Fall werden, wenn die Taliban drohen, Abzug der Bundeswehr oder Erschießung eines ihrer Soldaten".Der Kommandeur der Taliban im Süden Afghanistans, Mullah Abdullah, hat bereits neue Entführungen angekündigt. Die "offizielle Vereinbarung mit Seoul ist das Signal für weitere Entführungen und der erste Schritt, dass wir wieder die Macht in unserem Land übernehmen", hatte der Mullah erklärt.

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