Ein Mehrteiler? Sat1? Richtig, da war doch was: Mit „Blackout“, einem bemerkenswert mutigen Drogenthriller, ist der Berliner Privatsender im vergangenen Jahr gewaltig baden gegangen. Der ehemalige Senderchef Roger Schawinski hat dem Debakel in seinem gerade erschienenen Buch „Die TV-Falle“ eine lange Passage gewidmet. Die Lehren, die er aus der bedauerlichen Quoten-Pleite gezogen hat, sind offenbar beim nächsten Mehrteiler, den Sat 1 gemeinsam mit dem Österreichischen Rundfunk (ORF) nach einem französischen Fernseherfolg produzieren ließ, umgehend beachtet worden. Der Vierteiler „Zodiak – Der Horoskop-Mörder“ hat beinahe alles, was Roger Schawinski bei „Blackout“ vermisste.Erstens Stars. In ihrer ersten Hauptrolle seit der Telenovela „Verliebt in Berlin“ spielt Alexandra Neldel das uneheliche Kind eines Bankiers (Friedrich von Thun), das seltsame Botschaften mit Nostradamus-Zitaten und Tierkreiszeichen erhält. Neldel schlägt sich schauspielerisch wacker. Häufigste Übung: Erschrecken, denn ständig pirscht sich jemand von hinten an sie heran. Warum sie aber so häufig weint wie in einer Telenovela, ist nicht ganz klar. Erfreulicherweise hat Misel Maticevic die Hauptrolle in „Blackout“ nicht geschadet. Er ist ebenso dabei wie der sehr präsente Fritz Karl als Polizeikommissar. Ansonsten fehlen auch hier die „ganz großen Namen“ (Schawinski).Zweitens „bildliche Opulenz wie in amerikanischen Spielfilmen“. Wien ist nicht Miami oder New York, aber Regisseur Andreas Prochaska und Kameramann David Slama gelingen schon eindrucksvolle Bilder, unter anderem vom opulenten Anwesen der Bankiersfamilie Fischer-Hellwarth. Und regelmäßig hastet die Kamera an den Sehenswürdigkeiten Wiens vorbei, als sei die Produktion nicht vom Fernsehfonds Austria, sondern vom Wiener Tourismusverband gesponsert.Drittens „klar in Gut und Böse eingeteilte Helden“. Auch das trifft unbedingt auf „Zodiak“ zu. Die liebenswürdige Esther (Alexandra Neldel) soll endlich in die Familie eingeführt werden, die allerdings eine Ansammlung kalter, skrupelloser, unverschämt reicher Taugenichtse ist. Nur von ihrer Nichte Barbara, Halbbruder Robert und dem kleinen Neffen Adrian wird sie freundlich empfangen. Barbara ist allerdings bald verschwunden und später tot, Adrian wird von Esther gerade noch vor dem Ertrinken im Familien-Pool gerettet. Das Arsenal der guten Helden ist derart übersichtlich, dass der Nostradamus-Experte bald auch seine Opfer unter den Bösen sucht, die dann aber nicht mehr böse sind, sondern mausetot. Das hat etwas von „Zehn kleine Negerlein“ auf Österreichisch.Viertens keine „verschachtelte Erzählstruktur“. Wenn man einmal den Stammbaum der Bankiersfamilie Fischer-Hellwarth verinnerlicht hat, also irgendwann im Verlauf des zweiten Teils, wird’s besser.Fünftens eine Farbgebung, die die „helle, positive und emotional beglückende Seite“ des Films zum Ausdruck bringt. Diese Forderung Schawinskis wurde besonders beflissen umgesetzt. Wien leuchtet geradezu; so wirken selbst die dunkelsten und negativsten Figuren irgendwie emotional beglückend.Sechstens eine Liebesgeschichte, „vorzugsweise der ewig gleiche Klassiker: die Dreiecksbeziehung“. Da muss man nicht lange suchen. Esther nimmt die Bewerbungen des Polizisten Keller (Fritz Karl) und des Ganoven Vollmer (Misel Maticevic) entgegen.Siebtens, laut Schawinski besonders wichtig für Mehrteiler, „existenzielle Konfliktsituationen von epochaler Bedeutung wie Kriege oder Katastrophen“. In diesem Punkt wird das Klassenziel klar verfehlt. Es brechen weder Kriege noch Katastrophen aus, auch wird es „Zodiak“ sicher nicht zu epochaler Bedeutung bringen. Das Versteckspiel um diverse Familiengeheimnisse wird doch arg in die Länge gezogen. Sagen wir’s mit Kommissar Keller: „90 Prozent der Morde passieren in der Familie, nur machen’s die meisten nicht so kompliziert.“ Wer der Zodiak ist? Der, der übrig bleibt.„Zodiak“, 3./4. und 10./11. September, 20 Uhr 15, Sat 1

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