Uli Hoeneß' Forderung nach einem "Artenschutz" für Top-Stars des FC Bayern München in der Bundesliga hat unter Managern, Präsidenten, Trainern und Schiedsrichtern eine kontroverse Debatte ausgelöst. DFB-Trainerausbilder Erich Rutemöller wies eine Verantwortung der Trainer für die rüden Fouls an Spielern wie Franck Ribéry zurück. "Von den Trainern gibt es keine Anweisungen, diese Stars zur Not durch hartes Einsteigen zu stoppen. Das ist Konsens", sagte der 62-Jährige. Die Attacken entstehen seiner Meinung nach durch die Eigendynamik im Spiel. "Wenn einer mit Tricks und langem Ballhalten glänzt, kann es schnell zu Frustfouls kommen."Rutemöller betonte, dass schon in den 70er Jahren Stars wie Günter Netzer "ordentlich was auf die Socken bekommen haben". Eine Sonderbehandlung für gefährdete Spieler sei aber das falsche Rezept. Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler hatte die Debatte als "lächerlich" bezeichnet, da international eine ganz andere Härte an den Tag gelegt werde. Auch Wolfgang Overath, früher selbst oft hart gefoulter Spielmacher und heute Präsident des 1. FC Köln, meint: "Artenschutz löst im Fußball keine Probleme."Rutemöller: Fouls ahnden, aber kein kleinliches PfeifenEr sei sicher, dass Hoeneß "selbst kaum ernsthaft daran glaubt, derart extreme Forderungen könnten irgendwann Realität werden", sagte Overath dem Online-Dienst "fussball500.net". Overath ist überzeugt, dass Ribéry seine Gegenspieler mit spektakulären Ball-Aktionen nicht provozieren wolle. Die Versuche, ihn zu stoppen, dürften nicht in Treterei ausarten. "Die absolute Grenze ist erreicht, wenn die Gesundheit gefährdet wird", sagte Overath."Das Denken, dies ist ein kaum zu bändigender Spielmacher, den müssen wir durch rüde Fouls stoppen, darf nicht um sich greifen", sagte auch Rutemöller. "Taktische Fouls ja, aber kein gezieltes unfaires Spiel", verweist der frühere Trainer des 1. FC Köln auf das Credo in den Trainerlehrgängen. Die aktuelle "Klopper-Diskussion" ("Bild") sieht der Fußball-Lehrer insgesamt zwiespältig. "Brutale Fouls müssen klar geahndet werden, aber durch zu kleinliches Pfeifen darf die Psychologie eines Spiels nicht zerstört werden." Das sei ein sehr schwieriger Spagat für die Schiedsrichter.Hoeneß: Zur Not mal sieben, acht Mann vom Platz stellenBayern Münchens Manager Hoeneß hatte im "kicker" die Schiedsrichter aufgefordert, "zur Not auch mal sieben, acht Mann einer Mannschaft vom Platz zu stellen". Beim Spiel am Samstag gegen Hannover 96 war er mit Trainer Dieter Hecking aneinandergeraten. "Ribéry wurde permanent in die Hacken getreten. Hier wird bewusst die Gesundheit der Spieler gefährdet", schimpfte der Manager.Die Statistik spricht bisher nicht dafür, dass die Bundesliga "brutaler" geworden ist. 112 Gelbe Karten, vier Gelb-Rote und eine Rote Karte nach drei Spieltagen liegen in der Norm. Im gleichen Zeitraum der vergangenen Saison standen 111 Gelbe, sieben Gelb-Rote und neun Rote Karten zu Buche. Geht es nach den Zahlen, dürfte sich Hoeneß auf das Spiel gegen Arminia Bielefeld besonders freuen: Der Tabellen-Zweite hat erst eine Gelbe Karte kassiert.

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