Die Polizei hat einen möglichen Drahtzieher der Mafiamorde von Duisburg im Visier. Der Italiener Giovanni Strangio stehe im Verdacht, die Tat mitgeplant zu haben, teilte die Polizei Duisburg mit. Wie der 28-Jährige genau in den Anschlag verwickelt gewesen sei und ob er einer der beiden gesuchten Schützen sei, ist nach Angaben eines Sprechers noch unklar. Der Mann, der im rheinischen Kaarst gemeldet ist, wird nun mit einem Haftbefehl wegen Mordes gesucht.Giovanni Strangio stammt aus der Nähe des kalabrischen Dorfes San Luca, der Hochburg der Mafia-Organisation 'NDrangheta. Er soll ein Verwandter von Maria Strangio sein, die im vergangenen Dezember in San Luca bei einer seit langem dauernden Familienfehde getötet worden war. Sie war die Ehefrau eines mutmaßlichen Mafia-Clan-Chefs. Die Sechsfachmorde von Duisburg waren nach Polizeierkenntnissen ein Racheakt für den Mord an Maria Strangio.Der Tatverdächtige sei bereits bei ihrer Beisetzung von der italienischen Polizei kontrolliert und festgenommen worden, weil er eine Schusswaffe mit sich geführt habe. Deswegen habe er bis Mitte des Jahres in Italien in Haft gesessen.Belohnung von 10.000 EuroDie 120-köpfige Mordkommission in Duisburg hatte bei breit angelegten Durchsuchungen am vergangenen Freitag auch die Wohnung des Verdächtigen in Kaarst unter die Lupe genommen. Sie habe "wie fluchtartig verlassen" gewirkt, hieß es. Die Polizei sucht neben Strangio nun auch ein von ihm gemietetes Auto, einen schwarzen Renault "Clio" mit Hamburger Kennzeichen (HH - BM 7070).Die Ermittler fanden heraus, dass sich Giovanni Strangio seit dem 8. August in Deutschland aufgehalten hatte. Das Auto mietete er am 10. August, fünf Tage vor dem Blutbad. Die Staatsanwaltschaft Duisburg setzte für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat und zur Ergreifung Strangios führen, eine Belohnung von 10.000 Euro aus.Festnahmen in San LucaDie italienische Polizei hatte am Donnerstag in San Luca 32 mutmaßliche Mafia-Mitglieder festgenommen. Sie sollen in Zusammenhang mit der blutigen Familienfehde in dem Ort stehen, die bereits seit 16 Jahren zwischen den Familien Strangio-Nirta und Vottari-Pelle-Romeo tobt. Fast 20 Menschen wurde in ihrem Verlauf getötet.Bei der Bluttat in Duisburg waren in der Nacht zum 15. August vor dem italienischen Restaurant "Da Bruno" sechs Italiener im Alter zwischen 16 und 38 Jahren erschossen worden. Fünf von ihnen stammten aus San Luca. (mit dpa)

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