Der als konservativ-muslimischer Pragmatiker geltende Rafsandschani, der bislang den Schlichterrat leitete, war bei der Präsidentschaftswahl 2005 Mahmud Ahmadinedschad unterlegen. Den 86 Religionsgelehrten des Expertenrats obliegt die Kontrolle und Wahl des obersten religiösen Führers im Iran, der noch vor dem Staatschef rangiert. Notfalls kann der Rat das geistliche Oberhaupt des Landes auch absetzen. Auf Rafsandschani entfielen bei einer Enthaltung 41, auf Ayatollah Ahmed Dschannati 34 von 76 abgegebenen Stimmen. Dschannati ist Sekretär des von religiösen Ultrakonservativen beherrschten Wächterrats, eines der wichtigsten Machtinstrumente der Mullahs. Er wird dem Lager der Hardliner zugerechnet und gilt als bedingungsloser Anhänger von Ahmadinedschad. Rafsandschani steht dem Schlichterrat vor, dem höchsten Vermittlungsorgan im politischen System des Iran.

Rafsandschani will wieder mitreden Der 73-Jährige ließ bereits durchblicken, dass er die Rolle des Expertenrats, der sich bislang mit Eingriffen in die Politik zurückhielt, aufzuwerten gedenkt. Kurz vor der Abstimmung in dem geheim tagenden Gremium erklärte er, derzeit behalte der Rat seine Einschätzung zu den großen politischen Themen für sich. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass er eines Tages das Volk über seine Entscheidungen unterrichten werde. Der derzeitige geistliche Führer der Islamischen Republik Iran ist Ali Chamenei, der 1989 zum Nachfolger des verstorbenen Ayatollah Khomeini gewählt worden war.Rafsandschani, der von 1989 bis 1997 als Staatsoberhaupt amtierte, wird von seinen fundamentalistischen Gegnern der Annäherung an reformorientierte Kräfte verdächtigt, die bessere Beziehungen zum Westen insbesondere im Streit um das iranische Atomprogramm anstreben. Bereits im Mai hatte Rafsandschani einen Punktsieg über die religiösen Hardliner erzielt. Die als Rafsandschani nahe stehend geltende Tageszeitung "Schargh", die wegen einer Karikatur Ahmadinedschads verboten worden war, konnte nach neun Monaten wieder erscheinen. Auch die ähnlich ausgerichtete Zeitung "Ham Mihan" kam nach einem siebenjährigen Verbot wieder heraus. Sie war unter Ahmadinedschads gemäßigtem Vorgänger Mohammed Chatami auf Druck der von Fundamentalisten dominierten Justiz geschlossen worden. (mit AFP)

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