Innere Sicherheit: Terrorpläne - Islamisten wurden monatelang beschattet

Der Bundesgerichtshof hat gegen die drei festgenommenen mutmaßlichen Terroristen Haftbefehl erlassen. Die Islamisten planten massive Bombenanschläge auf US-Einrichtungen und hatten offenbar Verbindungen zur Al Qaida. Über sechs Monate lang ermittelten und beobachteten BKA-Beamte - dann kam der Zugriff.

Die drei Männer waren auf Anordnung der Bundesanwaltschaft im nordrhein-westfälischen Oberschledorn festgenommen worden. Ihnen wird Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung sowie einer deutschen Zelle dieser Gruppierung und Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags vorgeworfen. Im Zusammenhang mit den vereitelten Anschlägen wird nach neuesten Angaben des saarländischen Innenministeriums insgesamt gegen acht Terrorverdächtige ermittelt.

Von den zur Islamischen Dschihad-Union gehörenden Männern sei eine der "schwerwiegendsten Bedrohungen" Deutschlands durch den internationalen Terrorismus ausgegangen, sagte Generalbundesanwältin Monika Harms. Anschlagsziele waren offenbar US-Einrichtungen, aber möglicherweise auch der Frankfurter Flughafen. Die am Dienstag festgenommenen Männer hatten sich in großen Mengen Chemikalien besorgt, mit denen laut BKA-Chef Jörg Ziercke "Sprengsätze mit einer höheren Sprengkraft als bei den Anschlägen von Madrid und London" hätten konstruiert werden können.

Alle drei Festgenommenen hätten in Pakistan eine terroristische Schulung durchlaufen. Dabei handele es sich um zwei deutsche Konvertiten und einen türkischen Moslem. Dieser kommt laut hessischen Innenministerium aus Langen bei Frankfurt am Main. Der mutmaßliche Anführer der Gruppe kommt nach Angaben des baden-württembergischen Landespolizeipräsidenten Erwin Hetger aus Ulm. Er gelte "als Koordinator der gesamten Vorbereitungen". Das Islamische Informationszentrum in Ulm wurde nach Hetgers Angaben heute von der Staatsanwaltschaft durchsucht. Ein weiterer Verdächtiger kommt aus dem Saarland und war zuletzt im Saarbrücker Stadtteil Dudweiler gemeldet. Zwei der Männer sind nach Angaben der Bundesanwaltschaft 28 Jahre alt, einer ist 21 Jahre alt.

Harms: Keine Gefahr für die Bevölkerung

Im Zuge der Ermittlungen gegen die dem Al-Qaida-Netzwerk nahestehenden Tatverdächtigen wurden in mehreren Bundesländern insgesamt über 30 Objekte durchsucht. Weil die Tatverdächtigen frühzeitig ins Blickfeld der Ermittler geraten seien, sei die Bevölkerung nicht in Gefahr gewesen, sagte Harms. Über die genauen Anschlagsziele könnten derzeit noch keine Angaben gemacht werden. Innen-Staatssekretär August Hanning sagte, aus der Gesamtwürdigung des Verhaltens der Verdächtigen habe sich ein Spektrum von Zielen wie US-Einrichtungen, Diskotheken und deutsche Infrastrukturen ergeben. Die Polizei spekuliere, dass der Frankfurter Flughafen unter diesen Zielen gewesen sei.

Ziercke sprach von einem Polizeieinsatz, wie es ihn beim Bundeskriminalamt (BKA) bislang nicht gegeben habe. Fast 300 Beamte seien über sechs Monate Tag und Nacht im Einsatz gewesen. "Zur Entwarnung besteht leider kein Anlass", sagte Ziercke mit Blick auf die anhaltende Terrorgefahr. "Wir müssen in Deutschland leider weiter sehr aufmerksam sein." Der Terrorismusexperte Rolf Tophoven sagte, es müsse damit gerechnet werden, "dass sich noch weitere Täter möglicherweise in Deutschland aufhalten".

Merkel: Terrorgefahr ist real

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete die Festnahmen der drei Terrorverdächtigen als einen "sehr, sehr großen Erfolg". Es gehe "ein großer Dank" an die Polizei von Bund und Ländern. Die Festnahmen zeigten, "dass die terroristischen Gefahren auch bei uns im Land nicht abstrakt sind, sondern real". Die Sicherheitsbehörden müssten entsprechende Schlussfolgerungen ziehen.

Nach der Festnahmeaktion vom Dienstag durchsuchte die Polizei heute das Islamische Informationszentrum (IIZ) in Ulm. Die Razzia stehe in direktem Zusammenhang mit den Festnahmen vom Vortag, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart. (mit dpa/AFP/ddp)

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