Die Spannungen zwischen Georgien und Russland haben sich nach einem ungeklärten Zwischenfall im Luftraum über der Kaukasusrepublik deutlich verschärft. Georgien wirft Russland vor, russische Kampfflugzeuge hätten georgisches Territorium beschossen.Der georgische Präsident Michail Saakaschwili meinte, Russland wolle Georgien destabilisieren und mit Gewalt von seinem pro-westlichen Kurs abbringen. Der Staatschef hat sich inzwischen in das 60 Kilometer westlich der Hauptstadt Tiflis gelegene Dorf Zitelubani begeben, in dessen Nähe nach georgischen Angaben am Montagabend mindestens eine russische Rakete niedergegangen war. Der Luftangriff sei eine "Provokation". Durch derartige Aktionen wolle Russland Panik in der Bevölkerung auslösen, sagte Saakaschwili."Wir erwarten eine offizielle Erklärung von Moskau", betonte der georgische Präsident. Der Angriff sei nicht nur ein Problem für Georgien, "sondern für die gesamte europäische Sicherheit". Der Raketenangriff erfolgte nach georgischen Angaben in unmittelbarer Nähe der pro-russischen abtrünnigen Region Südossetien. Sie hatte sich in Unabhängigkeitskriegen Anfang der 90er Jahre von Georgien gelöst. Die international staatlich nicht anerkannte Kaukasusrepublik erhält große finanzielle und diplomatische Unterstützung von Russland.Kampfflugzeug soll Lenkwaffe abgefeuert habenDer georgische Innenminister Wano Merabischwili erklärte, mindestens ein russisches Kampfflugzeug vom Typ Suchoi-24 sei vom Radar erfasst worden und habe eine Rakete abgefeuert. Die Maschine sei aus dem Norden in den georgischen Luftraum eingedrungen und auf demselben Weg wieder zurückgeflogen. "Nach ersten Informationen feuerte dieses Flugzeug eine Lenkwaffe ab. Unser Radar hat die Koordinaten und die Geschwindigkeit des Flugs der Maschine aufgezeichnet", sagte er dem georgischen Fernsehsender Rustawi 2.Ein Sprecher des Innenministeriums in Tiflis wollte nicht ausschließen, dass noch weitere Raketen in der Nähe des Dorfes Zitelubani im äußersten Norden der abtrünnigen Provinz Südossetien gefunden würden. Die im russischen Fernsehen gezeigten Raketenteile trugen russische kyrillische Schriftzeichen. Ein Einwohner des 50 Kilometer von der georgischen Hauptstadt Tiflis entfernten Dorfes sagte, er habe "zwei Flugzeuge in großer Höhe" gesehen, von denen eines "runtergegangen" sei und "irgendetwas abwarf".Moskau: Keine russischen Flüge in der RegionMoskau widersprach der Darstellung aus Tiflis umgehend. Ein Kreml-Sprecher wies die Vorwürfe "kategorisch" zurück. "Diese Erklärungen entbehren jeder Realität", sagte der Sprecher. Der Vizekommandeur der Luftwaffe, Oberst Alexander Drobischewski, erklärte gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Interfax, es habe zu der angegebenen Zeit keine russischen Flüge in der Region gegeben. Der südossetische Rebellenführer Eduard Kokoiti warf Tiflis sogar vor, den Zwischenfall selbst herbeigeführt zu haben, um Russland zu diskreditieren.Südossetien hatte sich in Unabhängigkeitskriegen Anfang der 1990er Jahre von Georgien gelöst. Die international staatlich nicht anerkannte Kaukasusrepublik erhält große finanzielle und diplomatische Unterstützung von Russland. Zwischen Moskau und Tiflis herrschen seit langem Spannungen. Obwohl Moskau immer wieder auch militärisch Einfluss auf den Konflikt mit den Rebellen nimmt, würde ein Luftangriff eine erhebliche Eskalation bedeuten. (mit AFP)

mehr Nachrichten »