"Dort, wo die Kultur von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte", sagte Meisner bei einem Festgottesdienst im Kölner Dom. Der nordrhein-westfälische Kultur-Staatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU) wies die Bewertung Meisners scharf zurück. "Dass Kardinal Meisner sich zu einem solchen Sprachgebrauch hinreißen lässt, ist erschreckend und zeigt, dass er keinerlei Zugang zu Kunst und Kultur hat", sagte Grosse-Brockhoff dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Das Wort "entartete Kunst" stehe für eines der schlimmsten Kapitel der deutschen Geschichte und einen katastrophalen Umgang mit Kunst und Kultur, sagte Grosse-Brockhoff weiter.

Meisner steht zu seiner Wortwahl Bereits Meisners Äußerungen zum neuen, von Gerhard Richter entworfenen Fenster im Kölner Dom hätten "bewiesen, dass es wenig Sinn macht, mit ihm über Kunst zu diskutieren. Und das sage ich nicht nur als Kulturstaatssekretär, sondern auch als Katholik".Meisner verteidigte nach der Predigt seine Wortwahl. Es habe mit der Aussage lediglich deutlich machen wollen: "Wenn man Kunst und Kultur auseinanderbringt, dann leidet beides Schaden. Das war die schlichte Aussage dieser Passage", sagte der Erzbischof im Domradio.In seiner Predigt hatte Meisner zudem die Bilder von Christus, Maria und den Heiligen als "die schönsten Menschenbilder Europas" bezeichnet. Hier leuchte etwas von dem innersten Wesen des Menschen auf, betonte der Kardinal: "Der Mensch ist nie nur profan, er ist auch immer sakral. Deshalb gehört es zur Sachlichkeit des Künstlers, diese Menschenwirklichkeit in ihrer ganzen Breite und Tiefe zur Kenntnis zu nehmen". Wo dies vergessen werde, werde man dem Menschen nie gerecht. (mit ddp)

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