Absatzkrise Nissan streicht 20.000 Stellen
Rote Zahlen beim japanischen Renault-Partner Nissan – die Folge: Japans drittgrößter Autokonzern baut weltweit 20.000 Stellen ab

© Toru Yamanaka/AFP/Getty Images
Nissan-Präsident Carlos Ghosn: Nettoverlust von 1,75 Mrd Euro im laufenden Geschäftsjahr
Es ist das erste Mal seit neun Jahren, dass Nissan in die Verlustzone rutscht. Bis zum Ende des noch bis zum 31. März laufenden Geschäftsjahres wird mit einem Minus von 265 Milliarden Yen (1,75 Mrd Euro) gerechnet. Im Vorjahr hatte Nissan noch 160 Milliarden Yen Gewinn eingefahren. Durch den Abbau von 20.000 Mitarbeiterstellen sinkt die Beschäftigtenzahl bei Nissan in den nächsten zwölf Monaten auf 215.000.
"Bei jedem Planungsszenario, das wir erstellt haben, wurden unsere schlimmsten Annahmen zur Weltwirtschaft bestätigt oder übertroffen", sagte Nissan-Präsident Carlos Ghosn. Die anhaltende Kreditkrise und das sinkende Verbrauchervertrauen seien dabei die schlimmsten Faktoren. Hinzu kommt der starke Yen. Als Folge rechnet das Unternehmen nun auch operativ mit einem Verlust in Höhe von 180 Milliarden Yen. Es ist der erste operative Fehlbetrag seit 14 Jahren - und der erste, seit Renault 1999 bei Nissan einstieg (Renault hält 44 Prozent an Nissan) und Ghosn als Sanierer nach Tokio schickte. Im Oktober hatte Nissan noch 270 Milliarden Yen Gewinn erwartet. "Die globale Autoindustrie steckt in Turbulenzen und Nissan ist keine Ausnahme", sagte Ghosn.
Der riskante Einstieg beim damals stark verschuldeten japanischen Autokonzern hatte Renault in nur fünf Jahren auf den Weg in die Weltspitze katapultiert. Die Kombination japanischer Technik mit französischem Management war für beide Seiten gewinnbringend. Doch nun macht die globale Krise auch Ghosn, der später die Führung beider Konzerne übernahm, genauso schwer zu schaffen wie den Konkurrenten, vorneweg der japanische Branchenprimus Toyota. Nach jahrelanger Steilfahrt strich der größte Autobauer der Welt vergangene Woche zum dritten Mal in kurzer Zeit seine Prognose für dieses Jahr zusammen und rechnet erstmals mit roten Zahlen.
Auch die heimischen Konkurrenten Mazda, Mitsubishi Motors und Fuji Heavy erwarten in diesem Geschäftsjahr Verluste. Die Nummer Zwei der Branche, Honda, strich kürzlich ebenfalls die Ertragsprognose um 57 Prozent auf netto 80 Milliarden Yen stark zusammen, würde damit aber immerhin - anders als die anderen - Verluste vermeiden.
Die Priorität werde weiter darauf liegen, rasche und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um die Geschäftslage zu verbessern, kündigte Nissan-Chef Ghosn am Montag an. Allen Vorstandsmitgliedern werden die Gehälter vom kommenden Monat an um zehn Prozent gekürzt. Nissan senkte auch seine Produktionspläne für das laufende Geschäftsjahr im Vergleich zum ursprünglichen Ziel um 20 Prozent. Die Zahl der Fertigungstage in Japan werden zudem im Februar und März um 50 Prozent auf zehn Tage pro Monat gekürzt. Hatten das Unternehmen und seine Händler im März 2008 noch Lagerbestände von 630.000 Autos, so soll dieses Niveau zum März dieses Jahres um 20 Prozent auf 480.000 Autos verringert werden.
An Umsatz rechnet Nissan für dieses Geschäftsjahr mit 8,3 Billionen Yen statt der bislang erwarteten 9,6 Billionen Yen. Bezogen auf das dritte Quartal von Oktober bis Dezember fuhr Nissan einen Nettoverlust von 83,2 Milliarden Yen ein, verglichen mit einem Gewinn von 132,2 Milliarden Yen im gleichen Vorjahreszeitraum. Der Umsatz sank um 34,4 Prozent auf 1,82 Billionen Yen. Nissan setzte in dem Quartal weltweit 731.000 Autos ab, ein Minus von 18,6 Prozent.
- Datum 04.05.2009 - 11:03 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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