Zum Ende der Woche, wenn man die Nase noch nicht ganz voll hat von all dieser wahnsinnig tiefgründigen Politik, geht es abends dann zum Bundespressestrand. Jedenfalls, wenn der Vollmond so schön wie an diesem Wochenende über dem Reichstag steht. Man schaut mit Abendmilde auf den Ort, an dem all diese bedeutendseinwollenden Minister- und Kanzlerbefragungen der vergangenen rot-grünen Jahre stattgefunden haben - das Haus der Bundespressekonferenz.

Und wenn man doch noch Lust auf das Regierungsviertel hat am Ende der Woche, dann weil man dort barfuß in weichem Sand gehen kann und weil es ja doch hin und wieder Kollegen gibt, die – Vorsicht! - Humor haben. Jedenfalls mehr Humor als Angela Merkel. Aber dazu später. Eine vom Tagesspiegel , einer von der Financial Times Deutschland waren mit einer lebensgroßen Pappfigur von Angela Merkel durchs Land gezogen, meistens mit der Bahn (die Pappfigur lässt sich so klappen, dass sie auch sitzen kann), manchmal trampten sie auch und immer machten sie Fotos von Angela auf ihrer „Deutschlandreise“ (so heißt das Projekt). Am vergangenen Freitagabend dann wurde die Fotoausstellung als „Angie on the beach“ im Pavillon des Bundespressestrandes eröffnet. Die echte Merkel fehlte, jedoch trafen die beiden Journalisten auf ihrer Foto-Reise einmal im Osten auf sie und Merkel sah ihr Ebenbild und fand das alles gar nicht witzig. Deswegen hängt nun mitten in Berlin in einem Pavillon ein Foto von einer echten Merkel, die mit Bürgern redet und so tut, als ob sie nicht sieht, dass anderthalb Meter weiter eine lebensgroß fröhlich grinsende Merkel in Hosenanzug aus Pappe steht.

Exkurs: Uns beschäftigt die Frage, weshalb Merkel in der Öffentlichkeit humorlos wirkt und agiert, wohingegen ihre engsten Mitarbeiter übereinstimmend erzählen, dass Angie abends spät, bei einem Glas Rotwein in vertrauter Runde, ziemlich lustig werden kann – und zwar so witzig, haha, dass sie Politiker-Kollegen kabarettistisch imitiert. Wer das alles ist, dürfen wir nicht verraten. Aber soviel: Es handelt sich nicht nur um Herren der gegnerischen Parteien.

Den Kollegen Deike Diening (Tsp) und Timm Krägenow (FTD) ist überdies noch aufgefallen, dass gutsituierte mittelständische Unternehmer die beiden Tramper anhielten, um sie mitzunehmen. O-Ton Diening: „Das ist mir ohne Merkel nie passiert, das waren immer andere Typen“.

Eigentlich sollte hier noch ein bisschen Bilanz gezogen werden. Zum Beispiel ist Peter Müller in den vergangenen Tagen aufgefallen, mittwochs bei Merkels Vorstellung ihres Schattenkabinetts, das sie Kompetenzteam nennt, weil sie nicht weiß, ob sie im Falle einer großen Koalition nicht doch Otto Schily und Ulla Schmidt behalten muss. Peter Müller also fiel auf, weil er eine gute Frage stellte. Es sollte ein Preis für Politiker ausgelobt werden, die richtige Fragen stellen und nicht so tun, als hätten sie bereits auf alles eine Antwort. Müller: „Die Frage ist, wie es gelingt, unsere beiden Ziele – „Vorfahrt für Arbeit“ und „Zukunft für Familie“- miteinander in Einklang zu bringen.“

Der zweite, der diese Woche eine Frage stellte, war Gerhard Schröder. Und zwar an jenem sonnigen Donnerstagabend im Garten des Kanzleramtes, als er die deutschen National-Fußballfrauen lobte und dann fragte: „Was muss geschehen, wie gehen wir damit um?“ (Er meinte damit, dass sein altes Vorurteil, dass Fußball Männersache sei, nun widerlegt sei und die Frauen nun dringend mehr Promotion, Sponsoren und Fernseh-Sendeplätze für ihre Spiele brauchten)  - und dann sagte er schließlich in die Mikrofone etwas unüberlegt: „Die Jungs werden dritte, die Mädels erste – so ist das eben mit der neuen Verteilung in unserer Gesellschaft“. Die „Jungs“, so sieht es der Kanzler, müssten sich daran gewöhnen, „froh zu sein, wenn sie den zweiten Platz kriegen“. Der Satz
wurde dann am nächsten Morgen genüsslich um 07 Uhr 17 im Inforadio gesendet. Spontane Nachfrage von ZEIT online beim Bundeskanzler: „Herr Schröder, war das eine Anspielung auf den Ausgang der Bundestagswahl?“ Antwort Bundeskanzler (im Gehen, etwas unwirsch): „Nein! Ich mache nie Anspielungen.“

Soweit diese Woche, die freitagabends am Bundespressestrand mit Kollegen von ARD und Süddeutscher Zeitung mit der Frage zu Ende ging, ob die Vogelgrippe nun ein flutähnliches Thema im Wahlkampf werden wird – und Schröder wieder das Ruder rumreißen kann, indem er mit Putin zum Ural reist, um dort mit einem deutsch-russischen Geschwader aus Sputniks und Awacs alle virusbefallenen Vögel von der Weiterreise abzuhalten...