Die vom Hurrikan »Katrina« bedrohte Touristenmetropole New Orleans im US-Staat Louisiana wird zwangsevakuiert. Alle Menschen müssten sich unverzüglich im Landesinnern in Sicherheit bringen, verfügte Bürgermeister Ray Nagin am Sonntag. Es sei zu befürchten, dass die Dämme, die die größtenteils unterhalb des Meeresspiegels liegende Stadt schützen, durch die für morgen erwarteten Wassermassen überflutet werden. »Unsere schlimmsten Befürchtungen könnten sich bewahrheiten«, sagte Nagin. »Gott schütze uns.« In New Orleans und Umgebung leben rund 1,3 Millionen Menschen.Unterdessen hat eine Massenflucht eingesetzt. Das US-Fernsehen zeigte viele Kilometer lange Autoschlangen. An Tankstellen gab es lange Wartezeiten. US-Präsident George W. Bush hat den Notstand für Louisiana ausgerufen. Das Sportstadion Superdome in New Orleans wird als Notlager vorbereitet.Nach einem zerstörerischen Zug über Florida war der Sturm in den Golf von Mexiko gewirbelt und tankt nun über dem warmen Wasser stetig auf. Das Hurrikan-Zentrum in Miami rechnet damit, dass »Katrina« bis zum zweiten Eintreffen an der US-Küste zu einem gewaltigen Sturm der zweitstärksten Kategorie 4 anwachsen wird - das bedeutet Windgeschwindigkeiten zwischen 210 und 249 Stundenkilometern und die Gefahr schwerster Überflutungen. Anderen Experten zufolge ist sogar die Stärke 5 zu erwarten.Wo genau »Katrina« auf das Festland treffen wird, lässt sich nach Angaben des Hurrikan-Zentrums allenfalls Stunden vor der Ankunft am Montag voraussagen. So liefen auch in den Küstenabschnitten von Mississippi und Alabama am Samstag die Schutzvorkehrungen auf Hochtouren: Ein nur kleiner östlicher Schwenk des Sturms würde sie zum Ziel machen. Hurrikans dieser Kategorie können extreme Schäden anrichten und beispielsweise das Wasser bis zu zehn Kilometer ins Inland treiben.Zuletzt war im Jahr 1969 mit »Camille« ein Hurrikan der Stufe fünf über Alabama und Louisiana hinweggepeitscht. 400 Menschen kamen ums Leben. 1992 fegte »Andrew« ebenfalls mit Stärke fünf über Florida hinweg und hinterließ ein Bild der Verwüstung. Die meisten Todesopfer forderten diese beiden Ereignisse übrigens wegen der vielen Giftschlangen, die vor den Fluten in höhergelegene Landstriche geflüchtet waren.Nicht nur um das Leben und die Gesundheit von Tausenden Menschen wird derzeit gebangt, sondern es wird auch schwerer wirtschaftlicher Verlust befürchtet, und insbesondere, dass die teilweise veralteten Ölpipelines im Golf von Mexiko schweren Schaden erleiden werden.Webcams aus New Orleans finden sich hier , aktuelle Sturmnachrichten bietet ein Weblog namens Stormdigest.