hurricane Kleiner, langsamer Tsunami

New Orleans droht in einer eklen Brühe abzusaufen. Eine traurige Betrachtung

New Orleans ist die ideale Stadt für Seafood-Restaurants. Die Idee besteht freilich nicht darin, dass Fische um diese Restaurants herumschwimmen. Doch genau das könnte in den kommenden Stunden eintreten. Der Hurrikan „Katrina“, der so klein angefangen hatte, ist zum viertstärksten in der geschriebenen Geschichte der Atlantikküste angewachsen und im Begriff, aus der Stadt Jambalaya zu machen (so heißt die in New Orleans beheimatete Reispfanne mit Bohnen und Hackfleisch).

Das lockere, leckere New Orleans liegt recht weit unterhalb des Meeresspiegels. Relativ trocken bleibt die Stadt nur deshalb, weil Dämme sie vor dem Überlaufen des Mississippi und des Ponchartrain-Sees schützen. Vom legendären „French Market“ aus ist „Ol’ Man River“ nicht zu sehen, die Deichkronen sind davor, im Mittel drei Meter über den Köpfen der Passanten. Doch der heranrasende Hurrikan könnte eine Brandung von sechs bis neun Metern Höhe vor sich her treiben. Schlägt sie auf den bereits voll gesogenen Boden des Flussdeltas, dann hat das Wasser keine andere Möglichkeit mehr, als landeinwärts zu brechen – man muss sich das wie ein kleines, langsames Tsunami vorstellen.

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Wasser aus dem Golf von Mexiko, aus dem Mississippi und dem Ponchartrain-See sowie extremer Starkregen werden daher die Schüssel von New Orleans auffüllen. In der Suppe werden fette Ölflecken aus den Tankern auf dem Mississippi schwimmen, neben vielem anderen Müll. Und dann werden die Deiche in umgekehrter Richtung wirken: Anstatt das See- und Flußwasser draußen zu halten, werden sie die ekle Suppe in der Stadt halten, so wie die dicken Gumbo-Teller in Antoines legendärem (und überteuerten) Restaurant, von dem wir nicht wissen, ob es morgen noch existieren wird.

Zweimal in ihrer Geschichte mussten die Einwohner von New Orleans ihre „Halbmond-Stadt“ verlassen: Das erste mal, als die Navy der Union einfiel, und das zweite Mal 1969, als der Hurrikan „Camille“ zuschlug. Man muss sich das vorstellen: 1,4 Millionen Menschen, die nur 24 Stunden zum Räumen der Stadt haben. Angesichts der Staus auf den Straßen ist nicht anzunehmen, dass sie schneller als mit 30 km/h vorwärts kommen – und just das ist die Geschwindigkeit, mit der Katrina sich der Stadt nähert.

Nicht nur New Orleans flüchtet; Evakuierungen wurden ebenso im westlichen Louisiana nahe der Grenze zu Texas angeordnet, außerdem in gefährdeten Regionen der Staaten Mississippi, Alabama, Florida. Der Küsten-Highway I-10 steht normalerweise für eine lange Tagesreise von Texas nach Florida. Heute dürfte er in das Guinness-Buch der Rekorde eingehen als die Straße mit dem ersten Stau kontinentalen Ausmaßes.

Vor rund zwanzig Jahren landete die briisch-amerikanische Band „Katrina and the Waves“ einen Hit mit dem Song „Walking on Sunshine“. In wenigen Stunden wird eine andere Katrina ihre Wellen gut 150 Kilometer weit in den Mississippi hineinpumpen, und keine Voodoo-Queen und auch kein Sonnenschein wird mehr auf den Straßen von New Orleans tanzen, sondern es werden dort Fische schwimmen.

Larry Krumenaker ist Wissenschaftskorrespondent für ZEIT online. Er lebt in Atlanta aber besucht die Seafood-Restaurants von New Orleans so oft er irgend kann.

Übersetzung aus dem Englischen: Gero von Randow

 
Leser-Kommentare
  1. Habe sicherheitshalber aud duden.de nachgeschlagen...doch auch dort ist die Monsterwelle männlich. Oder habe ich den Witz, der hinter dieser Überschrift steckt, einfach nicht verstanden?

  2. "Also Herrschaften", um mal Tegtmeier selig, zu zitieren, "dat, wat hier it unsere Muttersprache verunstaltet wird; könnte man glatt denken, man wär' beim SPiegel online gelandet. Aber ährlich!" - Übrigens: "Kleines, dickes Müller" spielte seine letzten Profispiele seinerzeit nicht in New Orleans, sondern in Fort Lauderdale ...

  3. 3. "ekle"

    Bisher, und solange wir sie nicht vergessen, existieren "der ekle" und "die ekle", ebenso wie "das ekle" anstelle von "eklige", das Wort findet sich in der deutschen Literatur (auch des 20. Jahrhunderts) allenthalben. "Der Tsunami" wiederum ist richtig. Vielen Dank für den Feedback!

  4. @GerovonRandow

    Wenn schon, denn schon...
    Nicht: "Vielen Dank für den Feedback!"
    Sondern: DAS Feedback.

    Ansonsten Danke für die informationen.

    • pboehm
    • 29.08.2005 um 10:23 Uhr

    Das tut doch richtig weh!
    Erstens heißt es der Tsunami, zweitens was soll denn "eklen" sein ?? "Ekeligen" vielleicht?
    Drittens "absaufen"?

    Ist das der Stil der größten Wochenzeitung Deutschlands?

    Da paßt nur : Würrggg!

    Peter Boehm

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  • Quelle (c) ZEIT online, 29.8.2005
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