e-mail aus berlin (33) Zwischen den ZeilenSeite 2/2
Doch Schröder hat Fischer an jenem Sonntag nicht mehr gefragt, als die Entscheidung offensichtlich kurzfristig und im Affekt fiel wissend, dass ihm der Außenminister erneut abgeraten hätte. (Wenn man übrigens derzeit in der Hauptstadt Schröder-nahe Leute trifft, nicken erstaunlich viele zustimmend bei der These, dass Schröder heute nicht mehr so entscheiden würde... aber zu spät.) Die Grünen erzählen aus ihren Wahlkampfgesprächen, dass sie immer wieder zu hören bekommen: Wir wollen Merkel eigentlich nicht wählen, aber ihr habt ja hingeschmissen, ihr wollt ja nicht mehr regieren. Diesen Makel der Kapitulation, berichtet eine Spitzengrüne, den werde man nicht los.
Grünen-Chef Reinhard Bütikofer sagt Zeit Online: Die Leute wollen nicht unbedingt den Wechsel, aber schon Veränderung. Die Grünen sind wütend auf die SPD und dürfen es nicht sagen, jedenfalls nicht so laut. Sondern müssen für die Fortsetzung der Koalition auf Marktplätzen und bei Kaffee und Kuchen mit gitarrespielenden angeheuerten Merkel-Parodien im kassler-farbenen Kostüm kämpfen.
Mitleid also? In der Politik fehl am Platze. Und Fischer ist der größte Sieger von allen, dem die Partei und Rot-Grün zum Amt seines Lebens verhalfen, weswegen er nun eine echte Freundin jenseits des Atlantiks hat: Madeleine Albright, die noch immer bei jeder Gelegenheit von ihm schwärmt. Wer kann das von sich sagen? Und Bill Clinton würde mit ihm sicher eine Zigarre teilen, wenn Joschka durch Little Rock käme. Aber Fischer ist zunächst mal eher nur Fischer und nicht die Partei - auch wenn er gerne in Wahlkämpfen als deren Aushängeschild so tut als ob. In der Partei wiederum gibt es Sehnsucht nach der Zeit ohne Übervater Joschka, für den sich hoffentlich bald irgendein internationales Amt findet - und tatsächlich auch eine zarte Sehnsucht nach Opposition. Die Grünen, in der Opposition groß geworden, wollen endlich mal wieder ohne Koalitionsdisziplin sagen, was sie denken.
Manche wollen sich inhaltlich sogar erneuern, das 21. Jahrhundert diskutieren. Und dann könnte es irgendwann die erste schwarz-grüne Koalition in einem Bundesland geben (es ist ja beinahe nur Fischer, der das partout nicht will). Und dann eventuell dasselbe in Berlin mit solchen Gedankenspielen, so hat man den Eindruck, halten sich die Grünen irgendwie munter auf ihrem so gut wie schon verlorenen Posten.
- Datum 14.09.2005 - 13:26 Uhr
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- Quelle (c) ZEIT online, 13.9.2005
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In jedem seiner kurzen Päuschen, lacht sich ein kluger Mann ins Fäustchen, denn er kennt all die Pappenheimer und weiß, der Wahlsieg ist im Eimer. Für wen? Das ist die große Frage.
Fragt einfach Schöppner, Güllner, Schönborn oder Schausten, die denken doch, sie seien die Schlausten, wenngleich hier Unterschiede gelten, zwar klein, doch schafft man damit Welten.
Die Qual der Wahl, sie macht uns Spass und alle geben noch mal Gas. Das Schlimme ist, das Volk wählt richtig, doch wer nimmt heut das Volk noch wichtig? Denn wenn es wählt, was ihm gefällt, dann flüchtet wieder nur das Geld.
Menschen, die das nicht begreifen, die lassen sich nicht mehr belehren, stattdessen halten sie den Mund, gehen aber dennoch wählen, weil sie gern Experten quälen.... die dann erneut der Ehrgeiz packt, damit die Hoffnung nicht verzagt.
Wer gewinnt, verrate ich Euch am Freitag.
e-mail aus Berlin ist zu meiner Lieblingslektüre geworden.
Liebe Frau Emundts, wie schafft es eine Journalistin aus dem Einheitsbrei der Wahlkampfberichterstattung auszubrechen und so pointenreich die Politgrößen zu charakterisieren? Der Blickwinkel auf die Altforderen ist so anders als bei den Anderen. Fakten hören wir genug, allein es fehlt der Glaube an all die vielen vielen Fakten. Hier menschelt es gewaltig und das tut uns Bürgerinnen und Bürgern, uns Wählerinnen und Wählern so gut. Genosse Trend interessiert mich nur am Rande, Elefantenrunden und Politgezänke mutieren zum Blabla. Manchmal frage ich mich, was erwachsene Menschen alles von sich geben können ohne dabei rot zu werden.
liebe Grüsse von Fabrizius
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