Seine Biografen werden später einmal die Frage beantworten, ob Schröder am heutigen Donnerstag gänzlich seiner Sieg-Illusion erlegen war, im Angesicht des gütig dreinschauenden Wladimir Putin, oder ob er nur cool war, um nicht zu sagen: ironisch.Es gab da im Hotel Intercontinental so gegen 15.10 Uhr folgende Szene – so etwa zu dem Zeitpunkt, als seine Konkurrentin Angela Merkel in der Botschaft der Russischen Föderation der Allee Unter den Linden schon wartend gemäß Terminplan Bundespresseamt bereitstand, um wenigstens für einen kurzen Fototermin Putin die Hände zu schütteln – : Putin und Schröder am Stehpult (optisch ein entzückendes Paar, allein schon wegen der zwillingshaften Körpergröße); ein russischer, Kohl-Bonn-erfahrener Fernsehjournalist hatte gefragt, welche Bedeutung ihrer beider persönliches Verhältnis für die russisch-deutschen Beziehungen habe. Erst kam der Staatsmann Schröder zu Wort: „Es ist gut, wenn die Beziehungen unterstützt werden durch persönliche Bindungen, aber sie müssen auch ohne funktionieren“.Es folgt eine kleine Hommage an den Freund Putin. Und dann kommt der Romantiker, Ironiker, der jedenfalls nicht mehr ganz so staatsmännische Schröder und grinst: „Gottseidank“ brauche aktuell niemand darüber nachzudenken, dass das anders werden könnte. Pokerface Putin. Ratlose Gesichter der russischen, vor allem der deutschen und angelsächsischen Presse. Schröder fährt fort: „Zunächst einmal bin ich deutscher Bundeskanzler und ich nehme das sehr ernst und werde das auch bleiben.“ Noch mehr Fragezeichen über den Köpfen im Publikum. Thomas Roth, ehemaliger Moskau-Mann der ARD hatte eben die Doppelfrage gestellt, die beide Regierungschefs in ihren wortreichen Erklärungen zum Anlass ihres Treffens umschifft hatten. Jene Frage einerseits, ob Vorsorge getroffen wurde, Polen und die baltischen Staaten diplomatisch mehr in die deutsch-russische Planung einer Ölpipeline durch die Ostsee einzubinden – und andererseits, welche wahlkampfpolitische Bedeutung das Treffen habe (das doch eigentlich erst im Oktober 2005 stattfinden sollte)? Gemäß alter russischer Diplomatietradition antwortet Putin gaaaaaaanz lange auf die erste Frage (alles bestens, nur habe man halt auch wirtschaftliche Interessen so wie Deutschland auch) und ganz kurzknapp auf die zweite (so jedenfalls formuliert es der Übersetzer): „Sie wissen auch, dass mir gleich ein Treffen mit Frau Merkel bevorsteht“. Im übrigen hat Kanzler Schröder heute trotz Überziehung des Zeitplanes kein Wort über Demokratie, oder Menschenrechte verloren.