Der TV-Moderator Andreas Türck ist frei. Der Vorwurf, er habe eine Frau zum Sex gezwungen, war nicht zu halten. Auch die Staatsanwaltschaft hatte am Ende einen Freispruch beantragt, weil die Klägerin sich in Widersprüche verwickelte und zwei Gutachter ihre Glaubwürdigkeit bezweifelten.

Über Monate hatten sich die persönliche Erinnerung der Klägerin und die frühere Karriere von Andreas Türck als Talkshow-Moderator zu einem diffusen Generalverdacht gegen ihn vermischt.

Denn Türck ist vor allem durch eine tägliche Talkshow aus den Jahren 1998 bis 2002 bekannt geworden, in der er wochentäglich über Themen wie "Vorbei, du warst mal meine Freundin" oder "Das habe ich gerne. Sechs Kinder und kein Geld zum Leben" mit seinen Gästen redete. Auch Vergewaltigung war Thema seiner Sendung. Er gehörte also zu den Moderatoren, die damit reüssierten, dass andere Menschen ihr Intimstes preisgaben. Dieser Ruf blieb an ihm haften, auch als er zuletzt eine Musikshow auf ProSieben moderierte.

Jetzt musste Türck durchleben, was seine Gäste freiwillig taten. Tagelang wurde im Gerichtssaal sein Intimleben ausgebreitet. Und beinahe alle führenden Medien des Landes berichteten darüber. Sie taten es oft sachlich - genau so wie sie jetzt den Freispruch meldeten. Und trotzdem gilt: Andreas Türck hat von jetzt an ein düsteres Kapitel in seiner öffentlichen Biographie. Was einmal in den Medien und den Archiven ist, das lässt sich nicht ungeschehen machen in einer Gesellschaft, in der das Private auf so viel Interesse unter Zuschauern und Lesern stößt.