Bundestagswahl

Farbenspiele in Berlin

Minderheitsregierung, Ampel, Schwampel, Neuwahl? Glaubt man den Spekulationen, ist bei der Regierungsbildung fast alles möglich

Wer wird die neue Bundesregierung bilden? Angesichts des Wahlausgangs präsentiert die Politik immer neue Vorschläge. nachdem die Spitzen der beiden Volksparteien am Montag Gespräche mit allen anderen Parteien außer der Linkspartei angekündigt hatten, denken führende Unionspolitiker nun auch über eine CDU/CSU/FDP-Minderheitsregierung nach.

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Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) sagte am Dienstag: "Man kann nichts ausschließen, auch wenn es keine erstrebenswerte Situation ist." Milbradt hielt auch eine Zusammenarbeit mit der SPD für denkbar: "Die große Koalition ist eine Möglichkeit, die unter demokratischen Parteien nicht ausgeschlossen werden kann. Es geht ja nicht um Liebesheiraten, sondern um eine regierungsfähige Mehrheit und eine stabile Regierung." Milbradt regiert in Sachsen mit der SPD. Ein Bündnis von Union, FDP und Grünen sei dagegen für die CDU "nur sehr schwer vorstellbar". Ähnlich hatten sich zuvor auch andere führende Unionspolitiker geäußert.

In der SPD wird ein Minderheitsregierung bislang offenbar nicht in Betracht gezogen. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sagte am Dienstag, eine Minderheitsregierung sei "keine Option, die für Deutschland in Frage kommt". Durch das Zweikammersystem mit dem Bundesrat würde es eine Minderheitsregierung doppelt schwer haben. Im Interesse der Stabilität und Handlungsfähigkeit des Landes dürfe es nicht zu einer solchen Lösung kommen."

Am Montag hatte dagegen der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz gesagt, es gebe auch eine "Mehrheit links von der Mitte". Dies wurde als Vorschlag für eine rot-grüne Minderheitsregieriung gedeutet. Bei einer geheimen Wahl könne man nicht ausschließen, dass man auch Stimmen von anderen Fraktionen erhalte, hatte Wiefelspütz gesagt.

Beobachter sahen darin einen Hinweis darauf, dass die beiden Volksparteien ihre Spitzenkandidaten im Bundestag zur Wahl stellen könnten. Sollten die ersten beiden Wahlgänge kein klares Ergebnis bringen, wird im dritten Wahlgang Bundeskanzler, wer die relative Mehrheit der Stimmen erhält. Enthält sich die Linkspartei, gewinnt dann voraussichtlich Angela Merkel. Doch wenige Stimmen aus der Linken könnten Schröder den Sieg bringen. Der Spitzenkandidat der Linkspartei, Gregor Gysi, stellte aber schon am Montagmorgen klar, dass der Bundeskanzler nicht von den Abgeordneten seiner Partei gestützt werden wird. Gysi und Oskar Lafontaine lehnten auch die Tolerierung einer rot-grünen Minderheitsregierung ab.

Am Montag hatten die Führungsgremien aller im Bundestag vertretenen Parteien das weitere Vorgehen beraten. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel bekräftigte den Anspruch der Union auf die Bildung der neuen Bundesregierung. Merkel leitete aus dem Abstand zwischen Union und SPD von 470.000 Wählerstimmen einen "klaren Regierungsauftrag" ab. Zunächst will die Parteivorsitzende nun mit den Liberalen über das weitere Vorgehen sprechen. Die CSU schloss unterdessen eine Große Koalition kategorisch aus.

Zuvor hatte die SPD sowohl den bürgerlichen Parteien wie den Grünen Gespräche über eine Regierungsbildung angeboten. Die Gespräche soll der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering führen. Die SPD-Führung bekräftigte den Anspruch, eine neue Regierung müsse von Bundeskanzler Gerhard Schröder geführt werden. "Unsere Aufgabe ist es, diesen gemeinsamen Willen der gesamten Partei umzusetzen", sagte Schröder. Im Präsidium wurde verabredet, keine Rolle als Juniorpartner in einer Großen Koalition zu akzeptieren.

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Leser-Kommentare

  1. 1. FDP

    Die FPD hat ein sehr ausührliches Wahlprogramm erstellt. Das Programm klingt zukunftsträchtig, wenngleich es mit Skepsis zu betrachten ist.

    • 18.09.2005 um 19:37 Uhr
    • 7an

    Grosse Koalition? Bitte nicht. Dann am besten wieder Rot-Gruen, auf dass alles den Bach runter geht. Uns geht es allen noch viel zu gut. Unser System muesste einmal richtig abstuerzen, denn nach den momentanen Hochrechnungen beweist das deutsche Volk eine ausserordentliche Unmuendigkeit.

  2. Wer verhandelt schon mit einer Verliererin, einer
    Kanzlerkandidatin, die vom Wähler das klare Testat
    bekommen hat, daß sie es nicht kann?

    Sehr geehrte Frau Dr. Angela Merkel!

    Auch wenn Sie im Moment noch wild entschlossen sind
    regieren zu wollen, heute sind Sie abgewählt worden.
    Sie haben den Wechselwillen zu Schwarz/Gelb blockiert
    und die Wahl für die Union total 'vergeigt'. Besonders
    auch für die CSU in Bayern und in den neuen Bundesländern

    Treten Sie vom Parteivorsitz zurück. Unverzüglich, also
    heute noch! Zeigen Sie Mut und Charakter! Wann war die
    Union mal so schwach? Übernehmen Sie Verantwortung!

    Mit etwa 35 Prozent, einem der schwächsten Ergebnisse
    für die Union, haben Sie überhaupt kein Mandat zum
    Regieren erhalten. Die 35 Prozent 'gehören' der Union
    und nicht Ihnen.

    Das Kalkulationsergebnis Ihres Kollegen Stoiber weist für
    Sie persönlich ein Minus von etwa 10 Prozent aus. Schlimmer
    konnte es nicht kommen.

    BK Schröder hat im Moment ein Mandat von immerhin fast
    43 Prozent plus x erhalten. Sie sollten ihm gratulieren und
    sich für Ihre zahlreichen Intrigen und Beleidigungen bei
    ihm entschuldigen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Bob Beamon

  3. Die FDP hat zuvor die Ampelkoalition eindeutig ausgeschlossen. Ich denke, dass sie es auch weiterhin machen wird. Sonst würde sie ihre Wähler entäuschen.
    Meine Vermutung ist eher, dass die SPD auf die Linkspartei wider willen eingehen wird.

    • 18.09.2005 um 20:27 Uhr
    • lexis

    wer hat hier verloren? Alle demokratischen Parteien !!
    Abgewählt wurde doch gerade BK Schröder zu Gunsten der Linkspartei

    • 18.09.2005 um 20:30 Uhr
    • tpunkt

    Die Sache ist klar.
    Merkel - ungeliebt in der CDU, viele Feinde, kein Erfolg.
    Schröder, Medienmensch perfekt vorbereitet.

    Herr Schröder wird die Führung der CDU spalten und in die Lage versetzen, die ungeliebte Führungsfrau abzuservieren. Koch, Stoiber, Merz etc. lauern schon.
    Sie werden Frau Dr. Merkel opfern, Herrn Schröder auf das Pferd helfen und ihn zu gegebener Zeit beerben.

  4. Offenbar geworden sind doch doch nur die strukturellen Probleme der großen Volksparteien. Daß die Frontlinien in zentralen Fragen innerhalb der Volksarteien verliefen, war doch bereits in den Neunzigern ein Markenzeichen der Ära Kohl.

  5. Frau Merkel hat die Wahlen klar verloren. Eine Woche mehr, und die SPD hätte die Nase vollend vorne.
    Auch zusammengerechnet mit den Stimmen, die der CDU an den Leichtmatrosen Westerwelle verloren gegangen sein mögen, haben sie gegenüber den letzten Wahlen verloren, und das deutlich.
    Die Bevölkerung scheint sich dazu entschlossen zu haben, das kleinere Übel zu wählen und, vor allem durch den "Visonär" Kirchhof gesehen zu haben, was bei einer schwarz-gelben Regierung blüht.
    Die Taktik der CDU, unverhohlen den Abbau des Sozialstaates anzukündigen, hat verloren. Mit Grausamkeiten lässt sich kein Wahlkampf machen.

    Was bleibt?
    Aller Wahrscheinlichkeit nach entweder eine große Koalition oder eine rot-gelb-grüne Ampel, mit der Vorraussetzung, dass Westerwelle von seiner Partei abgesägt wird. Wenigstens dann hätten die vorgezogenen Wahlen etwas gutes gehabt.

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  • Datum 21.9.2005 - 12:26 Uhr
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  • Quelle (c) ZEIT online, 19.9.2005
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