Bundestagswahl Abschied in Würde?
Der Bundeskanzler zeigt sich demütig. Er wolle jede Entscheidung der SPD akzeptieren. Doch seine Partei beharrt darauf, dass es noch einmal einen Kanzler Schröder geben soll
Alles sah nach einem leisen Rückzug aus, als Gerhard Schröder sich am Montagnachmittag im Fernsehen über seine Rolle in möglichen Koalitionsverhandlungen der SPD mit der Union äußerte. »Es geht nicht um meinen Anspruch, schon gar nicht um meine Person«, sagte Schröder dem Fernsehsender RTL. »Es geht um den politischen Führungsanspruch meiner Partei, und darüber kann nur die Parteiführung befinden.« Er fügte hinzu: »Ich werde jede Entscheidung akzeptieren.« Er wolle »einer Entwicklung zur Fortführung des von mir eingeleiteten Reformprozesses und zu einer stabilen Regierung in Deutschland nicht im Wege stehen«.
Doch als die Sondersitzung des SPD-Präsidiums am Abend endete, war überhaupt keine Rede von einem Rückzug. "Wir haben als Partei den Anspruch, eine sozialdemokratische Politik in diesem Land zu machen und dies mit Gerhard Schröder als Bundeskanzler", sagte SPD-Chef Franz Müntefering in Berlin. Erneut bekräftigten die Sozialdemokraten zwar ausdrücklich ihre Bereitschaft zu Verhandlungen über eine Große Koalition. Aber zunächst soll es dabei um die inhaltlichen Stolpersteine - vom Arbeitsmarkt über den Haushalt bis zur Föderalismusreform - gehen, und nicht um die Kanzlerfrage. Müntefering beharrte darauf, Union und SPD seien »auf gleicher Augenhöhe«. Für die Union kommt diese neue Härte überraschend. CDU und CSU hatten damit gerechnet, dass Gerhard Schröder den Weg frei macht - für eine Kanzlerin Merkel. »Wir werden auf jeden Fall am Mittwoch mit der SPD zu einer neuen Runde der Sondierungsgespräche zusammenkommen. Ich denke, dass wir dabei auch weiterkommen«, sagte CDU-Generalsekretär Volker Kauder noch am Sonntagabend in Berlin.
Schon in ihren bisherigen Gesprächen konnten sich die beiden großen Parteien nicht darauf einigen, ob Merkel als Kandidatin der stärksten Bundestagsfraktion Kanzlerin wird oder die SPD als stärkste Partei mit Schröder das Kanzleramt behält. Schröder hatte Gerüchte, er wolle in der Sitzung seinen Verzicht auf das Kanzleramt bekannt geben, zunächst als »totalen Quatsch« dementieren lassen, bevor er im Fernsehen einen Rückzug anzudeuten schien.
Die Union hatte bei der Nachwahl in Dresden am Sonntag ihren Vorsprung vor der SPD um eins auf vier Bundestagsmandate ausgebaut. Das bessere Erststimmenresultat bescherte CDU/CSU nun 226 Abgeordnete gegenüber weiterhin 222 von der SPD. Die Sozialdemokraten wurden aber bei den Zweitstimmen stärkste Kraft in Dresden. Beide Lager sahen sich durch das Ergebnis gestärkt.
Das neue vorläufige amtliche Endergebnis sieht die Union bundesweit unverändert bei 35,2 Prozent der Stimmen (2002: 38,5 Prozent). Für die SPD stimmten nach Angaben des Bundeswahlleiters 34,2 Prozent (38,5). Die Grünen kamen auf 8,1 Prozent (8,6). Die FDP verbesserte sich stark auf 9,8 Prozent (7,4). Die Linkspartei erzielte 8,7 Prozent (PDS 2002: 4,0). Die Wahlbeteiligung lag insgesamt bei 77,7 Prozent (2002: 79,1). CDU/CSU haben im Bundestag 226 Mandate, die SPD 222, FDP 61, die Linkspartei 54 und die Grünen 51. Weder eine schwarz-gelbe noch eine rot-grüne Koalition sind mit diesem Stimmenverhältnis möglich.
SPD-Chef Franz Müntefering sah in dem Wahlergebnis bereits im Vorfeld der Präsidiumssitzung keine Auswirkungen auf die Gespräche mit der Union. »Wir bleiben stärkste Partei, und die CDU/CSU stärkste Fraktion«, sagte er im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Nach der Sondierung in den nächsten Tagen müsse dann in dieser Woche entschieden werden, ob die Parteien formal Verhandlungen für eine Große Koalition aufnehmen. Die Frage, wer Kanzler werde, könne in diesen Verhandlungen geklärt werden. Es gehe aber um die »gesamte Konstellation« einer neuen Regierung.
Insbesondere Volker Kauder hatte darauf gesetzt, dass ein Rückzug Schröders die Verhandlungen mit der SPD beschleunigen könnte. »Wir setzen auf die vernünftigen Kräfte in der SPD«, sagte der CDU-Generalsekretär. »Das Ergebnis von Dresden hat in jedem Fall die Position von Angela Merkel gestärkt und ist auch ein Signal für die SPD.« Stimmen in der Union, Merkel unter Umständen durch einen anderen Kandidaten zu ersetzen, nannte Kauder nicht ausschlaggebende Einzelmeinungen.
- Datum 01.04.2009 - 07:37 Uhr
- Serie cvd
- Quelle (c) ZEIT online, dpa; 3.10.2005
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wann wird Frau Merkel erkennen, dass sie als Kanzlerin für das bundesdeutsche Wählervolk nicht die erste Wahl ist ? Sowohl sie als auch Herr Schröder sollten Platz machen für Nachfolger, die unbelasteter die vorhandenen Möglichkeiten zur Veränderung angehen und - in unser aller Interesse - erfolgreich meistern können.
Die Diskussion um die Kanzlerschaft wird m.E. immer mehr zu einem Festhalten zweier Politiker an Positionen, die nichts mehr mit Realitäten und Wählerwille zu tun haben. Damit muss schnellstmöglich Schluss gemacht werden.
Die Bundestagswahl ist nach dem Wahlergebnis in Dresden endgültig abgeschlossen. Mit 226 Sitzen wurde die Union stärkste Fraktion. Da Schwarz-Gelb das angestrebte Wahlziel verfehlte, läuft jetzt alles auf eine große Koalition hinaus.
Weder Gerhard Schröder noch Angela Merkel können aus dem Wahlergebnis Anspruch auf die Kanzlerschaft ableiten und Angela Merkel hätte derzeitig nur Aussicht auf das Kanzleramt, wenn sie sich auf Stimmen der SPD stützen könnte.
Wenn Gerhard Schröder jede Entscheidung seiner Partei akzeptiert und der Bildung einer stabilen Regierung nicht im Wege stehen will, sollte auch Angela Merkel, die selbst in den eigenen Reihen umstritten ist, auf eine Kanzlerkandidatur verzichten und den Weg für einen konsensfähigen Kandidaten frei machen.
Sollten die Parteien keine Lösung finden und müsste erneut gewählt werden, dann würde Gerhard Schröder von der SPD wieder als Kanzlerkandidat präsentiert. Ob Angela Merkel in dem Fall von der Union als Kandidatin benannt würde, ist auf Grund des Wahlergebnisses vom 18. September mehr als fraglich.
Karl Valentin hat einmal gesagt "Wollen hätte ich schon gemöcht, aber können habe ich nicht gedurft."
Nicht nur bei Schröder, auch bei großen Teilen der SPD ist ein Realitätsverlust eingetreten, oder ist es nur Bockbeinigkeit. Die meisten Aussagen der SPD-Parteistrategen, Müntefering nicht ausgeschlossen, dienen nur zur Verdummung der Bürger. Der Kanzler wird nun nicht von den Parteien bestimmt und gewählt, sondern nach unserer Verfassung von den Abgeordneten des frei gewählten Bundestages. Der Bundespräsident wird entscheiden müssen, wem we aufgrund der Sitzverteilung im Bundestag den Auftrag für die Regierungsbildung erteilt.
Nun ist es also doch endlich soweit, dass sich alle Kommentatoren, die sich bisher um die Dämonisierung von Gerhard Schröder als Cäsaren bemühten, mit einer geschlossenen SPD abfinden müssen, die zu ihrem Gerhard steht, während die windelweiche Merkel ihre Damenwahl wohl endgültig abschreiben kann.
Ein starkes Deutschland braucht auch einen prima Kanzler, der sich die Wirtschaftsführer mal zur Brust nimmt und uns die asiatische Grippe mit solidem Wachstum in den alternativen Technologie-Sparten vom Leibe hält.
Die permanente Resignation, die diesem Land verordnet wurde, wird nicht etwa durch "Du bist Deutschland" Gesülze überwunden, sondern durch kategorischen "Leinenzwang" für das Führungspersonal der Union.
Mittlerweile habe ich das Gefühl, die SPD führt einen Staatsstreich im Schilde. Welcher Teufel reitet Schröder, Müntefering und Genossen? Wie will die SPD in ähnlicher Situation noch jemals korrektes Verhalten der anderen Seite verlangen? Hier wird die Demokratie ausgerechnet von der SPD vorsätzlich grob beschädigt.
Eine hervorragende Situationsbeschreibung, "Zeit"-gemäß. Der Autor hebt sich wohltuend von der verstörten "Meute" wie Bettina Schausten (ZDF) usw. ab, der Geifer tropfte förmlich aus dem Bildschirm! Ein kapitaler Fehler, wer die SPD und deren Loaylität zum Kanzler in Frage stellt, der ehrliche Kampf für Deutschland für ALLE Bürger wird Früchte tragen. Kauder tropft schon jetzt der Angstschweiß von der Stirn, die Partei mit dem C steht NICHT hinter Merkel, daß wissen beide!
Die Bundestagswahl ist nach dem Wahlergebnis in Dresden endgültig abgeschlossen. Mit 226 Sitzen wurde die Union stärkste Fraktion. Da Schwarz-Gelb das angestrebte Wahlziel verfehlte, läuft jetzt alles auf eine große Koalition hinaus.
Weder Gerhard Schröder noch Angela Merkel können jedoch aus dem Wahlergebnis einen Anspruch auf die Kanzlerschaft ableiten, denn gemäß Artikel 63 (1) Grundgesetz wird der Bundeskanzler auf Vorschlag des Bundespräsidenten gewählt.
Gewählt ist, wer die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder des Bundestages auf sich vereinigt. Angela Merkel hätte derzeitig nur Aussicht auf das Kanzleramt, wenn sie sich auf Stimmen der SPD stützen könnte.
Wenn Gerhard Schröder jede Entscheidung seiner Partei akzeptiert und der Bildung einer stabilen Regierung nicht im Wege stehen will, sollte auch Angela Merkel, die selbst in den eigenen Reihen umstritten ist, auf eine Kanzlerkandidatur verzichten und den Weg für einen konsensfähigen Kandidaten frei machen.
Der 'leise Rückzug' erledigt nicht den schnellen Rückzug von Frau Dr. Merkel. Frau Merkel wird im Deutschen Bundestag nicht die erforderliche Menge an MdB-Stimmen auf sich vereinigen können. Dann kommt es endlich zum schnellen Rückzug der CDU-Parteivorsitzenden. Die Aktion 'Keine Stimme für Merkel!' läuft. Die selbsternannte Kandidatin sollte aber besser vorher begreifen, daß sie keine Politikerin von besonderem Gewicht ist und auch in der eigenen Fraktion nicht von allen CDU-/CSU-MdB's akzeptiert wird. Eins hat dagegen aber die Unions-Fraktion nach der Bundestagswahl und dem unbegreiflichen Ergebnis '45 minus 10' begriffen: Die ehemalige FDJ-Sekretärin aus Templin ist keine Wahlkampf-Lokomotive und wird auch keine mehr werden. Deshalb wird sie in der Zukunft von der CDU nicht mehr gebraucht. Hoffentlich wird unsere Republick durch Merkels Kampf um die letzte Chance nicht beschädigt. Die MdB's werden mehrheitlich klug entscheiden.
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