film Der Film im Kopf
Die Jury des Filmfests Hamburg vergab am Dienstagabend den renommierten Douglas-Sirk-Preis. Mit der Auszeichnung einer Produktionsfirma wählte sie den Anspruch
Nach Preisträgern wie Clint Eastwood, Jodie Foster, Jim Jarmusch, Aki Kaurismäki und François Ozon zeichnete das Filmfest Hamburg zum ersten Mal eine Produktionsfirma aus. "Wir haben schon lange daran gedacht, und dieses Jahr werden wir es tun und den Preis nicht an eine Person, sondern an die ganze Firma verleihen", sagte der Festivalleiter Albert Wiederspiel bei der Preisverleihung am Dienstag. Die dänische Produktionsfirma Zentropa ist für ihn "ein überzeugendes Beispiel für kreative Produzenten", denen der Versuch, Filmproduzenten mit Künstlern zusammenzubringen und dabei für cineastische Überraschungen zu sorgen, gelungen sei.
Lars von Trier und Peter Aalbæk Jensen gründeten 1992 die Firma Zentropa und produzierten Filme wie Raus aus Åmål , 101 Reykjavik , Dancer in the Dark und Dogville . Durch die Förderung der radikalen Dogma-Bewegung sorgten sie für einen Umbruch in der kriselnden Filmlandschaft.
Jetzt hat Lars von Trier Manderlay produziert. Der Film provoziert, obwohl der Regisseur die von ihm formulierten Dogma-Regeln hinter sich gelassen hat. Manderlay ist der zweite Teil der mit Dogville begonnenen Trilogie und, wie der erste Teil, rein äußerlich auf das Minimum reduziert: Die Akteure bewegen sich auf einer mit wenigen Requisiten und Grundrisslinien versehenen Bühne, die Tonspur kommt beinahe ohne Musik aus. Die reale Welt wird mit gedämpften Farben nur angedeutet. Handlungen der Schauspieler beschränken sich auf Dialoge oder pantomimisch Dargestelltes. Durch den konsequenten Bruch mit den Erwartungen des Zuschauers vermeidet der Regisseur jede Ablenkung. Seine künstlerische Präsentation fordert den Zuschauer zum Nachdenken und zur rückblickenden Resignation auf. Von Trier liefert das Grundgerüst für den "Film im Kopf".
Die Protagonistin Grace, gespielt von Bryce Dallas Howard, beobachtet auf ihrer Durchreise durch die Plantage Manderlay eine Szene feudaler Sklaven-Unterdrückung, die in den USA vermeintlich vor langer Zeit abgeschafft wurde. Durch ihr Eingreifen, motiviert durch Empörung und Idealismus, werden die Sklaven befreit. Sie brechen jedoch nicht in Jubel aus, sondern versinken in Ratlosigkeit. Die Erwartung von Grace, dass sich die ehemals Rechtlosen demokratisch organisieren, wird enttäuscht: Es wird klar, dass Demokratie nur dort selbstverständlich ist, wo sie nicht aufgesetzt, sondern im Innern der Bewohner als Wunsch verwurzelt ist.
- Datum 05.10.2005 - 13:24 Uhr
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- Quelle (c) ZEIT online 29.9.2005
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