Ig-Nobelpreise Spaß mit Pinguinen

Was ist so interessant am Stuhlgang eines Schwimmvogels? Besuch bei einem der diesjährigen Ig-Nobelpreisträger

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Das eingerahmte Foto eines nackten Hinterns ist das erste, was einem vor der Bürotür von Benno Meyer-Rochow entgegenstrahlt. Der Biologe forscht an der International University of Bremen, einer ganz normalen Universität. Aber dass der Neuseeländer mit finnischem Pass und deutscher Mutter kein ganz gewöhnlicher Wissenschaftler ist, steht ausser Frage. In diesem Jahr hat er einen Ig-Nobelpreis gewonnen. Er hat berechnet, wie gross der Druck in einem Pinguin sein muss, bevor dieser sich eindrucksvoll seiner Verdauungsprodukte entledigt. Tatsächlich ist der so groß wie der Druck in einem funktionstüchtigen Autoreifen. Deshalb "schießen" Pinguine , wie Meyer-Rochow sagt, und lassen ihre Exkremente nicht einfach fallen. Aber warum solche Berechnungen anstellen? Über die Idee und den rätselhaften tieferen Sinn seines Projekts gibt der Preisträger gerne Auskunft.

Sind Sie stolz auf Ihren Preis?
Was heißt stolz, ich bin überhaupt nie auf irgendwas stolz. Aber ich freue mich. Ich habe auf internationalen Konferenzen erlebt, dass darauf hingewiesen wurde, wenn dieser oder jener einen Ig-Nobel erhalten hatte. Und der Preis kommt von der Harvard University. Also von einer guten Universität.

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Ihr Spezialgebiet ist die vergleichende Augenforschung, da untersuchen Sie Schlangen, Krebse, Schnecken und ähnliches. Den Preis haben Sie aber für eine physikalische Kalkulation an Pinguinen bekommen. Wie denn das?
Ich war damals Professor an der University of the West Indies in Jamaika. Das Pinguin-Projekt geht auf die erste jamaikanische Expedition 1993 zurück.

Moment - Jamaika hat Expeditionen in die Antarktis unternommen?
Warum sollte Jamaika, wenn es ein Bob-Race-Team hat, nicht auch eine Antarktis-Expedition haben? Auf dieser Expedition habe ich viele Fotos gemacht von Pinguinen, die da in alle Richtungen schießen. Und von Nestern, die radialsymmetrisch von diesen Streifen umgeben sind. Als ich später in Japan einen Vortrag hielt, fragte mich eine Studentin, wie die Pinguine denn ihre Nester dekorieren. Ich hätte ja behauptet, dass Pinguine einen Sinn für Schönheit besitzen. Ich habe ihr beschrieben, wie die das machen, und da wurde sie ganz rot.

Das hat Sie angespornt...
Hinterher dachte ich, Mensch, da muss doch ein gewisser Druck dahinterstecken. Ob man den nicht irgendwie berechnen könnte? Ich hab mit meinem Kollegen Johzef Gal darüber sinniert, was man braucht – die Viskosität des Materials, die haben wir versucht, zu bestimmen, dann hat man die Länge, den Durchmesser der Austrittsöffnung kennt man auch. Und wir wissen die Höhe, aus der geschossen wird, das sind etwa 15 Zentimeter. So sind wir zu unseren Ergebnissen gekommen. Und die sind nicht nur für Pinguine interessant!

Für wen sind die denn bitte noch interessant?
Erst mal gab es die Zoodirektoren und Vogelbesitzer, die wollten wissen, wie weit der Sicherheitsabstand für Besucher sein muss. Es gab auch einen Paläontologen, der ähnliche Streifen um die Nester von Dinosauriern herum gefunden hatte. Er wollte wissen, ob man unsere Kalkulation auch für Dinosaurier anwenden kann. Und dann kam eine Anfrage aus Afrika, da werden die Stromleitungen manchmal durch schießende Geier kurzgeschlossen. Die wollen herausfinden, wie weit sie die Stromleitungen von Geiernestern entfernt bauen müssen, damit das nicht mehr passiert.

Alle Vögel schießen ihre Exkremente so durch die Gegend?
Nicht alle. Spatzen und Tauben, die lassen ihren Kot fallen. Das sind Körnerfresser. Es scheint da – aber das müsste überhaupt mal untersucht werden! – ein Zusammenhang zu bestehen zwischen Vögeln, die Fleisch oder Fisch essen und mit dem vielen Eiweiss auch viel Stickstoff aufnehmen - und dem Kot, der vermutlich ätzend für Federn und Haut ist. Der muss weiter weg geschleudert werden. Das könnte der Grund sein, denn Geier und andere Raubvögel schießen auch, zum Teil über gewaltige Distanzen. Aber wir haben auch mit Humanphysiologen gesprochen, die meinten, man müsste das mal beim Menschen messen.

Aber der Menschen schießt doch wirklich nicht...
Diese Art von Flüssigkeitskontrolle spielt doch eine große Rolle! Bei der Blutzirkulation, beim Urinieren, bei der Ejakulation – überall viskose Flüssigkeiten, die durch enge Röhren gepresst werden.

Sie haben offenbar eine Menge Spaß an solchen Projekten.
Das war eine schöne Abwechslung. Es muss natürlich etwas Ernsthaftes dabei herauskommen, aber deswegen kann Wissenschaft doch trotzdem humorvoll sein! Ich habe übrigens einen Eintrag im Guinness Book of Animal Records, weil ich einer Seegurke so viele Exemplare eines kleinen Parasitenfischs gefunden habe, wie vorher noch niemand. 16 Stück! Ja, für mich muss immer auch Spaß dabei sein.

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