Serie Wie John Lennon einmal unter dem Bett lag
When I’m 65 - Durch die Woche mit John
Es waren harte Zeiten. Als John Winston Lennon das Licht der Welt erblickte – den zweiten Vornamen bekam er kriegsbedingt von Winston Churchill – lag Liverpool im Finstern. Man hatte die Hafenstadt verdunkelt, um den deutschen Bombern kein Ziel zu bieten; allerdings vergeblich, ganze Straßenzeilen in der Nähe der Penny Lane waren zerstört, der ‘Blitz’ hatte zugeschlagen.
Julia Lennon, geborene Stanley, lag seit dreißig Stunden in den Wehen, wartete im Oxford
Street Maternity Hospital auf ihr erstes Kind, zwei Wochen über der Zeit. Sie
wartete allein, Johns Vater, Freddie, fuhr auf einem Truppentransporter – wie er
sich übrigens ständig auf schwankenden Schiffen einer festen Bindung entzog – also blieb nur Mary Elisabeth »Mimi« Smith, solide Schwester der
leichtlebigen Julia. Am 9. Oktober 1940 um 18.30 Uhr kam der legendäre Anruf, der die
Welt veränderte: »Mrs. Lennon hat eben einem Jungen das Leben geschenkt.« Nichts
also konnte Tante Mimi aufhalten, durch »den Splitterregen« zum Krankenhaus zu
laufen, um ihren wahrlich hübschen Neffen zu betrachten. »Ziehen sie doch die
Decke von seinem Gesicht, sie ist zu rau.« Doch die Freude währte nur kurz.
Eine der schwersten Bombardierungen Liverpools kündigte sich an, sie musste in
den Luftschutzkeller, der kleine John wurde samt Körbchen unters
Krankenhausbett der Mutter geschoben. In Sicherheit. Ins traumatische Dunkel unter den
Stahlfedern. Winston schrie und John überlebte. Der Versuch der deutschen
Luftwaffe, den populärsten Rockmusiker des 20.Jahrhunderts und damit die drohende
kulturelle Vorherrschaft Englands zu verhindern, war im Ansatz gescheitert.
29 Jahre später, im März 1969, liegt John Ono Lennon auf einem riesigen
weißen Bett, in der Suite 902 des Amsterdam Hilton Hotels – den verhassten
‘Winston’ hatte er gegen den Namen der Frau zur Rechten getauscht, Yoko Ono. Die
ganze Welt wartet darauf, dass sie sich lieben: »Die Journalisten hofften, uns im
Bett beim Vögeln zusehen zu können. So kamen sie also reinspaziert – ungefähr
fünfzig oder sechzig Reporter waren aus London rübergeflogen – alle etwas
angespannt, und wir saßen einfach im Schlafanzug da und sagten: 'Frieden,
Bruder.'« Bed Peace, Hair Peace – zwischen zehn Uhr morgens und zehn Uhr abends
predigen John (28) und Yoko (36) Gewaltlosigkeit, lächeln, preisen lange Haare. Im
Bed In werden die Peacenics neugeboren, zwei Kriegskinder, ironiefrei und
ohne jenen Zynismus, der John Lennon jahrelang zum Liebling des Pop gemacht
hatte. Sie wollen kein Hiroshima, kein Liverpool, wollen nie wieder unterm Bett
begraben sein. »Give Peace a Chance«. Manche denken, der Song sei naiv.
- Datum 12.10.2005 - 13:24 Uhr
- Serie cvd
- Quelle (c) ZEIT online, 9.10.2005
- Kommentare 3
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:









Die Einfachheit und damit Radikalität seiner Texte und die Liebenswürdigkeit seiner Stimme, die immer mehr Überzeugungskraft bekam, wurde ihm traurigerweise zum Verhängnis - er wurde zur Gefahr für politische und religiöse Systeme.
John Lennon, Du hast der Welt alles gegeben - doch gerade jetzt würden wir MENSCHEN wie Dich dringendst brauchen!!!
Ich finde John Lennon gut weil er für den Frieden war.
Es gibt ja viele böse Menschen, die mag ich eigentlich nicht so. Zum Beispiel Schorsch Busch oder Ivonne Catterfelt oder Anja aus der 5a. Die Anja ärgert mich immer wegen meiner Zahnspange und sagt Brillenschlange zu mir. Aber die Brille von John Lehnon find ich echt gut.
Leichtlebigkeit kann man, so vermute ich, John Lennon nicht zum Vorwurf machen, also darf ich davon ausgehen, er mag Gründe gehabt haben Krüppel nicht zu mögen. Eigentlich schade, daß wir darüber nicht mehr erfahren dürfen. Ich darf sagen, ich war und bin noch nie ein grosser Beatles-Fan gewesen und so verhält es sich auch mit John Lennon, wobei mir dieser noch um ein vielfaches sympathischer ist als der unsägliche Paul Mc Cartney. Die Musik der Beatles hat sicherlich viele Vorzüge, mir war sie immer zu puritanisch und angepasst.
All you need is love, bamperrambampam, also ich weiss nicht, sind das die ungeschönten Worte einer freiheitlich denkenden Masse? Aber ich lasse diese Ausführungen lieber. Allerdings gab es auch in meinem Leben einen Zeitpunkt und ich bitte dies nicht falsch zu interpretieren, da gedachte ich John Lennon in einem besonderen Masse. Ich spazierte an einem sonnigen Frühlingsnachmittag durch den Central Park in New York und plötzlich stand ich vor einem auberginefarbenen (ich bin mir der Farbe aber nicht mehr sicher) Stern auf dem John Lennon stand, vermutlich ist er hier erschossen worden, dachte ich mir. Von einem dieser merkwürdigen Amerikaner die sich nur durch Gewaltausübung an anderen äussern können. Und ich dachte mir, in was für einem merkwürdigen Land ich mich doch gerade befinde. Noch weniger als ich die Beatles jemals verstanden habe, würde ich dieses Land verstehen können.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren