Presseschau Der Pyrrhussieg von Maggie Merkel

Das ausländische Meinungsbild zur Kanzlerin Angela Merkel, kommentiert von Jan Söfjer

„Wird die erste Bundeskanzlerin die Geisel ihrer früheren Gegner sein, die jetzt gezwungenermaßen ihre Verbündeten geworden sind?“, fragt die konservative französische Tageszeitung Le Figaro am Dienstagmorgen. „Die Erpressung von Gerhard Schröder, dem schlechten Verlierer, hat den Sozialdemokraten eine Menge Schlüsselpositionen eingebracht.“ Die römische Zeitung La Repubblica pflichtet dem bei: „Was sie nun erreicht hat, erscheint eher wie ein Pyrrhussieg. Sie wird Kanzlerin, sicherlich, aber ihre Regierung ist mit sozialdemokratischen Ministern besetzt, die von Gerhard Schröder in Stellung gebracht wurden.“ Sich in diesem Löwenkäfig zu behaupten, wird alles andere als einfach werden. „Dazu wird Merkel Fähigkeiten zeigen müssen, die man bei ihr bislang nicht kennt und allenfalls vermuten kann“, schreibt die linksliberale spanische Zeitung El País .

Da ist fraglich, was man in Madrid von Merkels konsequent erkämpftem Weg an die politische Spitze weiß. Die schwedische Tageszeitung Dagens Nyheter hat diesen analysiert und findet: „Die kommende Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihre Karriere als Überlebenskünstlerin mit Glück und Dickhäutigkeit, nicht als politische Reformatorin gemacht“. Das deute darauf hin, dass sie die Große Koalition aus CDU und SPD zusammenhalten könne.

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Der britische Guardian zweifelt hingegen: „Eine gespaltene deutsche Wählerschaft hat eine in sich gespaltene Regierung hervorgebracht, die es sehr schwer haben wird, viel Wandel zu bewirken.“ Man kann nur hoffen, wie El País formuliert, dass „die große deutsche Lokomotive wieder in Gang kommt“. Gemeint ist die deutsche Wirtschaft. Da trifft es sich gut, dass Angela Merkels direkte Erfahrungen mit dem Kommunismus sie zu einer glühenden Verfechterin des freien Marktes gemacht haben. Neoliberalität ist das jedoch nicht, was auch die New York Times bestätigt: „Es ist unwahrscheinlich, dass sie sich zu einer deutschen Maggie Thatcher, oder Maggie Merkel, wie einige sie hier nennen, entwickelt.“

 
Leser-Kommentare
  1. Angela Merkel wird schon noch rechtzeitig bemerken, das sie das Land, dem als Kind ihre Sehnsucht galt, nicht "kaputtverschlanken" kann.

    Die, die es mit mehr Neoliberalität versucht haben, sind in den entwickelten Ländern samt und sonders die Erfüllung ihrer Versprechungen schuldig geblieben. In Deutschland sollte es also doch auch noch genug intelligente Leute geben, die es als erste begreifen, das Neoliberalität dazu gut war, den Kommunismus aus der Welt zu schaffen, zu mehr aber auch nicht.

    Ein Westerwelle, der der Kanzlerin in spe die Stimmen seiner Partei vorenthalten will, wird noch so einige interessante Erfahrungen machen und wenn der angelsächsische Kapitalismus erst an seiner Immobilienblase zerbricht, dann wird es vielleicht im Ausland heißen, die sind zwar keine Weltmeisetr mehr, aber dumm sind die nicht.

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