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Nach heftigen internationalen Protesten hat Marokko am Sonntag etwa 1.000 Flüchtlinge aus der Wüste zurückgeholt, die marokkanische Sicherheitskräfte zuvor in einem Wüstengebiet an der Grenze zu Algerien ausgesetzt hatten. Diese Menschen sollen in den kommenden Tagen mit Flugzeugen in ihre Heimatländer zurückgebracht werden. Die Afrikaner protestierten nach einem Bericht des spanischen Fernsehens TVE heftig gegen die Rückführung. Die meisten waren mit Handschellen gefesselt, viele hatten Tränen in den Augen.

Marokko hatte etwa 1.000 illegale Zuwanderer 500 Kilometer südlich der Grenzstadt Oujda an der algerischen Grenze - angeblich ohne Nahrung und Wasser - sich selbst überlassen. Die Behörden ließen die Flüchtlinge am Wochenende mit Militärlastwagen und Bussen in der Wüste einsammeln.

Dennoch startete Marokko nach Berichten von Hilfsorganisationen weitere Konvois, die Flüchtlinge in Wüstengebiete bringen sollten. Die Organisation SOS Rassismus machte nach eigenen Angaben drei Transporte mit 600 Afrikanern aus, die zu den Grenzen nach Mauretanien und Algerien unterwegs waren. »Die Flüchtlinge erhalten nichts zu essen und nichts zu trinken«, sagte eine Sprecherin. »Viele von ihnen sind während des Transports gefesselt.«

Einzelne Flüchtlinge berichteten, mehrere Leidensgenossen seien in der Wüste verdurstet. Dafür gab es jedoch keine Bestätigung. In Madrid und Sevilla protestierten Hunderte von Menschen auf Kundgebungen gegen die Behandlung der Flüchtlinge. Die Regierung in Rabat wies die Vorwürfe einer unmenschlichen Behandlung der Afrikaner zurück. Marokko halte sich beim Kampf gegen die illegale Immigration an internationales Recht, sagte ein Sprecher nach spanischen Presseberichten. Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero schickte unterdessen Außenminister Miguel Angel Moratinos nach Rabat, der sich in Marokko für eine humane Behandlung der illegalen Zuwanderer einsetzen sollte.

Die betroffenen Flüchtlinge waren in den vergangenen Tagen und Wochen während des Versuchs festgenommen worden, von Marokko aus in die spanischen Nordafrika-Exklaven Ceuta und Melilla zu stürmen. Bei den Massenanstürmen auf die beiden Städte kamen seit Ende August insgesamt 14 Afrikaner ums Leben. Spanien hatte am Donnerstag vergangener Woche damit begonnen, die illegalen Einwanderer abzuschieben. Eine erste Gruppe von 73 illegalen Einwanderern wurde von Melilla per Flugzeug nach Malaga in Südspanien und von dort über den Hafen Algeciras mit einem Schiff in die marokkanische Hafenstadt Tanger gebracht. Wie aus spanischen Polizeikreisen verlautete, stammten die Abgeschobenen aus Mali und anderen Ländern der Sahelzone.

Der spanische Innenminister José Antonio Alonso verteidigte die Abschiebungen: »Damit erhalten die Zuwanderer eine klare Botschaft. Wer illegal ins Land kommt, muss sofort wieder hinaus.« Dennoch will Spanien nach Angaben der Zeitung La Vanguardia vorerst keine weiteren Flüchtlinge nach Marokko abschieben, solange deren Schicksal dort unklar ist. Madrid ließ aber weitere 100 Afrikaner aus der Exklave Melilla in Lager auf die Iberische Halbinsel bringen, von wo sie später nach Marokko abgeschoben werden sollen.

Zapatero will das Flüchtlingsproblem auch beim anstehenden EU-Sondergipfel in Großbritannien ansprechen. Er kündigte an, er wolle die anderen EU-Staaten dazu bewegen, Marokko bei der Bewältigung des Flüchtlingsproblems mehr Hilfe zu leisten.