Der Vorsitzende der Linkspartei, Lothar Bisky, ist auch im dritten und letzten Wahlgang zum Vizepräsidenten des Bundestags gescheitert. Mit 248 Stimmen erreichte Bisky am Dienstag in der geheimen Abstimmung nicht die erforderliche einfache Mehrheit. 258 Abgeordnete stimmten gegen Bisky, 31 enthielten sich. Von 544 abgegebenen Stimmen waren 537 gültig. Bundestagspräsident Norbert Lammert verwies darauf, dass die am Vormittag beschlossene Geschäftsordnung vorsehe, dass jede Fraktion Anspruch auf einen stellvertretenden Bundestagspräsidenten habe. Er deutete an, dass es in absehbarer Zeit – »nach einer Denkpause« – eine neue Wahl für den der Linkspartei zustehenden Posten geben werde. Die Linkspartei wollte in einer Sonderfraktionssitzung ihr weiteres Vorgehen beraten. In den ersten zwei Wahlgängen hatte Bisky bereits die zunächst nötige absolute Mehrheit von 308 Stimmen klar verfehlt. Fraktionsvize Gesine Lötzsch hatte sich bereits nach dem ersten Wahlgang »schockiert« gezeigt. »Wir hatten von den anderen Fraktionen deutliche Signale, dass die Vorschläge akzeptiert werden«, sagte sie dem Nachrichtensender n-tv. Ratlose Linke am Dienstag im Bundestag© dpa BILD In der Legislaturperiode von 1998 bis 2002 war Petra Bläss als bisher einzige PDS-Abgeordnete Bundestagsvizepräsidentin. Damals war sie in einer Kampfabstimmung gegen eine CSU-Kandidatin gewählt worden.Auch der bisherige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse erreichte in seiner Wahl zum Stellvertreter des neuen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert von der CDU nicht das erwartete Ergebnis. 136 Nein-Stimmen und 52 Enthaltungen sorgten in der SPD für Unmut. Thierse äußerte die Vermutung, die meisten Gegenstimmen seien aus der Union gekommen, die seine Amtsführung in der Vergangenheit wiederholt als parteiisch kritisiert hatte. Mit einem deutlich besseren Ergebnis wurde Susanne Kastner (SPD) als Vize-Präsidentin bestätigt. Zudem gewählt wurden Gerda Hasselfeldt (CSU), Hermann-Otto Solms (FDP) und Katrin Göring- Eckardt (Grüne).Lammert war zuvor mit überwältigender Mehrheit zum neuen Bundestagspräsidenten gewählt worden. Der 56-Jährige erhielt mit 91,9 Prozent Zustimmung das zweitbeste Ergebnis eines Parlamentspräsidenten seit 1949 - bezogen auf die Gesamtzahl der 614 Mandate. Er wurde mit 564 von 606 gültigen Stimmen zum zwölften Parlamentschef seit Kriegsende gewählt. 25 Abgeordnete votierten mit Nein, 17 enthielten sich. Mit dem ersten Zusammentritt des 16. Bundestags endete die offizielle Amtszeit der bisherigen Regierung. Bundespräsident Horst Köhler händigte Bundeskanzler Gerhard Schröder und den rot-grünen Ministern die Entlassungsurkunden aus. Das Kabinett bleibt geschäftsführend bis voraussichtlich in der dritten Novemberwoche im Amt. Nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen ist dann die Kanzlerwahl im Plenum geplant.