Kaum zu glauben, aber eine Premiere: Zum ersten Mal seit zwanzig Jahren haben sich die Bleus aus eigener Kraft spielerisch qualifiziert. Keine Weltmeisterschaft-Organisation wie in 1998, die automatisch die Teilnahme sichert, keine Titel-Verteidigung wie in 2002 (diese Ehrengeste wurde inzwischen abgeschafft), diesmal also keine Regeln oder Nebeneffekte, die einer Mannschaft erlauben, sich die Mühen der Vorrunden zu ersparen.

Wobei "aus eigener Kraft spielerisch" vielleicht etwas übertrieben ist: Allein hätten die Franzosen es nicht geschafft. Großer Dank geht an die Schweizer, die wegen eines Unentschiedens (0:0) gegen Irland im Wartezimmer der Auserwählten bleiben und sich die zusätzlichen Relegations-Begegnungen am 12. und 16. November antun müssen. Dabei verpatzten die Eidgenossen in Dublin mindestens vier Tor- Möglichkeiten, darunter zwei große Chancen für einen Torschuss von Frei (31. und 81. Minute). Frankreich schlug seinerseits in Saint-Denis die Zyprioten 4:0 – es wäre fast frivol, zu notieren, dass die Bleus ebenfalls vier oder fünf gute Chancen vergeigten.

Eine seltsame Atmosphäre herrschte im französischen Lager nach dem Abpfiff: Darf sich das Team von Trainer Raymond Domenech über den Sieg gegen Zypern freuen, obwohl er die Qualifikation für die WM bedeutete? Die Mission war doch selbstverständlich - oder doch nicht? Wir erinnern uns an die mühsamen Ergebnisse gegen Israel (0:0, 1:1), Irland (0:0 zu Hause) oder die Schweiz (0:0, 1:1). Und an die Zerbrechlichkeit einer Mannschaft, die bis zur Rückkehr des Halbgottes Zinedine Zidane vergeblich kämpfte und kopflos spielte.

„Erleichterung! Man kann nicht sagen, was ohne Zinedine Zidane aus den Blauen geworden wäre“, urteilte die L'Equipe . „Er war zurückgekommen, um ein durchhängendes Team zu retten. Zidane hat Wort gehalten und als vorbildlicher Kapitän das erste Tor geschossen“, schrieb Le Parisien . Und Libération befand: „Die Qualifikation hat gezeigt, dass Zidane, Thuram und Makele nicht zu ersetzen sind.“

„Hauptsache, wir sind in Deutschland“ fasste Zizou lapidar zusammen, und schon verschwand er in der Kabine. „Erleichterung statt Euphorie“ sagte der Torwart Gregory, und der Mittelfeldakteur Vikash Dhoraso ergänzte: „Über kein Tor, das wir schossen, konnten wir wirklich glücklich sein, weil wir nicht wussten, ob es genügen würde. Es war eine bizarre Situation.“ Nur Trainer Raymond Domenech gab zu, er werde sich ein Glas Champagner gönnen. Bescheiden im Sieg – auch das ist eine französische Premiere.