Das „soziale Gewissen“ der Union ist Gesundheitsexperte aus Leidenschaft. Als Bundesgesundheitsminister unter Kohl hat er sich auf diesem Feld profiliert, in der Opposition hat er polarisiert - auch in den eigenen Reihen: Als die CDU eine Kopfpauschale als Reformmodell für die Krankenversicherungen befürwortete, organisierte Horst Seehofer in der bayerischen Schwesterpartei Widerstand - mit dem Ziel, das Prämienmodell zu verhindern. Obwohl sich der von ihm ausgearbeitete Kompromiss später durchsetzte, blieb Seehofer unzufrieden und quittierte seinen Dienst als Bundesfraktionsvize der CSU. Doch auf ihren „Anwalt der kleinen Leute“ - zumal Seehofer seinen Wahlkreis erneut mit fulminanten 66 Prozent gewonnen hat - kann die Union in einer großen Koalition nicht verzichten: Das Gesundheitsressort fiel der SPD zu, nun wird der studierte Verwaltungswirt Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Schon jetzt wird diskutiert, ob sich der Querkopf in die Kabinettsdisziplin integrieren lässt.
Der 56jährige Ingolstädter ist verheiratet und Vater von drei Kindern.