Am Samstag sollen die Iraker über einen vom Parlament vorgelegten Verfassungsentwurf entscheiden. Allein die Tatsache, dass dies möglich ist, kommt einer Sensation gleich. Denn irakische Bürger hat es in diesem Sinne nie gegeben. Es gab immer nur irakische Untertanen.

Nur befindet sich das Land de facto im Bürgerkrieg. Niemand – vor allem nicht in Washington – will dieses Wort in den Mund nehmen. Aber die Zahlen sprechen eine klare Sprache. 30.000 Iraker sind nach Schätzungen seit Mai 2003 ums Leben gekommen - nachdem also US–Präsident George W. Bush das "Ende der großen Kampfhandlungen" verkündet hatte. Man darf hier von einem Bürgerkrieg reden.

Die Iraker wollen in erster Linie Sicherheit. Und es ist ihnen ziemlich egal, ob dies mit oder ohne Verfassung erreicht werden kann. Vielleicht ist die Verfassung ja ein Beitrag zur Beruhigung der Lage, das kann sein. Auch unter diesem Aspekt ist es gut, dass die Abstimmung stattfindet. Wahrscheinlich wird sich zunächst aber nicht viel ändern, außer eines: Washington wird über einen "großen Erfolg" reden. Gleichzeitig werden die USA den Abzug ihrer Truppen vorbereiten. Die Verfassungsabstimmung ist so gesehen ein Alibi für die Administration Bush. Sie soll verbergen, dass der Krieg für Amerika verloren ist.