Die Linke in Italien feiert schon, als hätte sie Ministerpräsident Silvio Berlusconi gerade bei der Parlamentswahl geschlagen. 75 Prozent der Stimmen für Romano Prodi! »Ein unglaubliches Ergebnis«, jubelt der Sieger. »Schöner als jeder Traum.« Im Freudentaumel geht fast unter, dass es sich bei dem Votum lediglich um Vorwahlen der Linksparteien handelte. Nach harten Jahren sieht sich die Linke endlich vor dem Ziel. Schon gibt ein Oppositionsmann die Parole aus: »Basta Berlusconi«. »Ein unlaubliches Ergebnis«: Bei Vorwahlen der Linken um die Spitzenkandidatur erhielt Prodi am Sonntag knapp 75 Prozent der Stimmen BILD

Tatsächlich bringt das Experiment der »Primaries« nach US-Vorbild Aufwind für die Linke. Vier Millionen Parteigänger gaben am Sonntag ihre Stimme ab, selbst notorische Optimisten hatten nicht so viel Zulauf erwartet. »Ein Sonntag, der in die politische Geschichte Italiens eingeht«, meint die Mailänder Zeitung Corriere della Sera . Monatelang hatte sich der Ex-EU-Mann Prodi bemüht, die Reihen im Linksbündnis »Unione« zu schließen, immer wieder gab es Zank und Rangeleien - einfach war das Comeback nicht gerade.

Wenn nicht alles täuscht, sind die Fronten für das große Duell im Frühjahr jetzt abgesteckt: Prodi gegen Berlusconi - zwei Rivalen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch ausgerechnet der stille und bedächtige Prodi gilt als »Angstgegner« des ewig strahlenden Medien-Milliardärs Berlusconi. Man denke an die Parlamentswahlen 1996, Berlusconi fühlte sich schon als Sieger - doch dann bildete der parteilose Wirtschaftsprofessor Prodi die erste Linksregierung in Italien.

Geradezu »unitalienisch« wirkt Prodi: Kein feuriger Redner, im Auftritt eher hölzern, dem das am schwersten fällt, was Italiener am meisten lieben - » bella figura « zu machen. Selbst wenn der Mann aus Bologna in seiner Freizeit aufs Rennrad steigt, wirkt das hausbacken. »Zu wenig Visionär, zu wenig Tatenmensch«, hieß es mitunter in Brüssel über den ehemaligen EU-Kommissionschef. Doch Prodi verfügt über eine Eigenschaft, nach der sich Italiener nach den »wilden Berlusconi-Jahren« sehnen - er gilt als grundsolide.

In der Tat, sechs Monate vor dem Urnengang sieht es nicht schlecht aus für die Linke: Schon bei den vergangenen Kommunal- und Regionalwahlen gab es mächtig Rückenwind, die Umfragewerte sind anhaltend günstig - und dann hat Berlusconi auch noch Ärger im eigenen Lager. Nur, auch im Prodilager herrscht kein wahrer Frieden. »Zweiter Sieger« bei den Vorwahlen wurde Kommunistenchef Fausto Bertinotti - das war der Mann, der Prodi 1998 als Ministerpräsident zu Fall brachte.